Sauerlandlinie A45: Talbrücke bei Lüdenscheid bleibt drei Monate gesperrt

Von Sabine Tenta

Die Vollsperrung der A45 bei Lüdenscheid wegen Brückenschäden bleibt vorerst bestehen. Lkw werden wohl nie wieder drüber fahren, für den Pkw-Verkehr wird eine Notverstärkung angebracht - doch das dauert.

"Die Lage ist dramatisch." Das sagte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Leiterin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landtags. Sie erläuterte den Abgeordneten die Situation rund um die zurzeit vollgesperrte A45 rund um die Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid.

Die Notverstärkung für Pkw

Für Lkw wird die Brücke wohl dauerhaft gesperrt bleiben. Um zumindest den Pkw-Verkehr zu ermöglichen, soll es eine Notverstärkung an der Brücke geben. Sauerwein-Braksiek schätzt, dass diese Arbeiten drei bis vier Monate dauern werden. Erschwerend komme die Jahreszeit hinzu - in großer Höhe müssen die Arbeiten in der Kälte vorgenommen werden.

In der Zwischenzeit werde auf der Talbrücke eine Schrankenanlage installiert. Sie wird - ähnlich wie bei der Leverkusener Brücke - sicherstellen, dass keine Lkw über die Brücke fahren. Die Lage ist so ernst, dass noch nicht mal im Winter Räumfahrzeuge über die Brücke fahren dürfen.

Die Schäden an der "Cola-Brücke"

Sauerwein-Braksiek griff zu einem Vergleich, um zu zeigen, welche Gefahren drohen: "Wenn Sie zwei Cola-Dosen perfekt übereinander stellen, dann können Sie sich da drauf stellen. Wenn aber die untere Dose einen Knick hat, dann bricht das zusammen."

Und diese Knick-Schäden sind an der Stahlverbund-Brücke aufgetaucht. Ein Statiker erklärte den Abgeordneten in Düsseldorf, dass die Schäden an Hauptträgern der Brücke auftauchten. Und zwar an Blechen, die nur 5 Millimeter dick sind. Eine Untersuchung per 3D-Scan habe ergeben, dass diese Bleche sich um 12 bis 17 Millimeter verformt haben. Zulässig seien nur 5 Millimeter. Die Last werde nun an die Schweißnähte des Brückenbauwerks weitergegeben.

Zur Notverstärkung würden jetzt Laschen um die Verformungen angeschraubt. "Dieses Bauwerk wird nie wieder die Tragfähigkeit haben, die es mal hatte", so die ernüchternde Bilanz von Sauerwein-Braksiek. Darum bleiben Lkw dauerhaft außen vor, für Pkw soll es halten.

Der Brückenneubau soll forciert werden

Ein Neubau der Brücke war ohnehin geplant, der soll nun beschleunigt werden. Man sei bereits im Gespräch mit Anwohnern, Grundstückseigentümern, Waldbesitzern und Behörden, sagte die Niederlassungs-Leiterin der Autobahn GmbH an. Denn für den Bau in dem Gelände, das sie als "alpin" charakterisierte, müssten die Baustraße in Serpentinen geführt werden.

Die gesperrte Rahmedetal-Brücke | Bildquelle: WDR/Frank Strohdiek

Rund 8 bis 10 Jahre würde normalerweise ein Neubau dauern, das müsse jetzt schneller gehen, sagte Sauerwein-Braksiek. Was den Bau so aufwendig macht, ist unter anderem das Gelände: Es handelt sich um eine Talbrücke in einem "sehr bewegten Gelände". Darum brauche es eine umfassende Bauuntergrund-Prüfung. Auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nötig.

Weitere Schäden registriert

An der Rahmede-Brücke waren in den vergangenen Tagen weitere erhebliche Verformungen aufgefallen. Ein Experte erklärte, dass die Schäden an der Brücke dazu führen können, dass Nähte und Stahlteile schlagartig versagen. Deshalb sei eine sofortige Sperrung nötig gewesen.

Untersuchung an der Rahmedetalbrücke | Bildquelle: WDR/Frank Strohdiek

Die Bedeutung der A45 für den Verkehr in Deutschland Die A45 ist eine wichtige Nord-Süd-Achse für den Verkehr in NRW und weit darüber hinaus. Der umgeleitete Verkehr trifft auf eine ohnehin schon angespannte Verkehrslage. So ist die Leverkusener Brücke der A1 bereits länger für den Lkw-Verkehr gesperrt. Auch die A3 ist, so Sauerwein-Braksiek "schon extremst belastet". Sie sprach von einer Situation, "die mehr als kritisch ist".

Die neue Sperrung reiht sich in eine lange Reihe von Problemfällen in NRW ein. Mehrere Rheinbrücken sind baufällig.

Die politische Diskussion ist entbrannt

War das eine Katastrophe mit Ansage? Im Verkehrsausschuss fing bereits eine intensive Diskussion darüber an, welche Partei in welcher Regierungsphase bereits einen Neubau hätte veranlassen müssen. Bis zur Landtagswahl wird sich die Verkehrssituation nicht nur rund um Lüdenscheid verschärfen. Gut möglich, dass die Rahmeder Brücke ähnlich wie schon zuvor die Leverkusener Brücke Thema im NRW-Landtagswahlkampf wird.