Löwenzahn-Reifen aus Münster

Forschende im Labor.

Löwenzahn-Reifen aus Münster

Von Marco Poltronieri

Wie man aus russischem Löwenzahn Naturkautschuk herstellt, hat ein Forscherteam der Universität Münster und des Fraunhofer-Instituts herausgefunden. Es könnte die Reifen-Herstellung revolutionieren.

Normalerweise liefert der Kautschukbaum aus Südostasien den begehrten Milchsaft, der für die Reifenherstellung von Fahrzeugen unumgänglich ist. Bald könnte das der russische Löwenzahn machen. Vorerst noch nicht in voller Marktreife und für alle Fahrzeuge, aber Fahrradreifen aus dem Kautschuk des Löwenzahns sind bereits im Handel seit zwei Jahren erhältlich.

Forschung mit langem Atem

Ohne Dirk Prüfer, Pflanzenbiotechnologe an der Universität Münster, hätte das nicht geklappt. Er hat seit 1999 Grundlagenforschung betrieben, seit 2005 geht es in die Umsetzung des ambitionierten Projekts. Zusammen mit Christian Schulze Gronover vom Fraunhofer-Institut, der ihn in der Forschung unterstützt.

Aufnahme des Löwenzahns.

Der russische Löwenzahn wird intensiv gezüchtet

Beide benutzen Gewächshäuser und Steril-Labore an der Uni Münster, um den Kautschuk zu züchten und seine Eigenschaften zu verfeinern und zu maximieren. Ziel der beiden Wissenschaftler: Immer wieder neue Pflanzenlinien und Testreihen des Löwenzahns hervorzubringen, um den Ertrag an Kautschuk zu steigern.

Kautschuk-Ausbeute vergrößert

Löwenzahn im Labor.

Labor-Testreihen sollen den Ertrag steigern

Deswegen forschen sie auch an russischem Löwenzahn: Nur dessen Wurzeln bringen die notwendigen Voraussetzungen mit sich, was übrigens schon in früheren Jahrzehnten herausgefunden wurde. Mehr Saft bedeutet mehr Ertrag. Von anfangs ein bis zwei Prozent sind jetzt schon durch Tests und Züchtung genetisch ausgewerteter Pflanzen 15 bis 20 Prozent Ertrag geworden - ein enormer Sprung.

Im Vergleich zum synthetischen Kautschuk hat der Naturkautschuk von Dirk Prüfer exzellente Eigenschaften: Er ist strapazierfähiger und bietet für Reifen eine bessere mechanische Flexibilität. "Er ist gut geeignet für Lkw-Reifen, die spezielle Eigenschaften haben müssen, und für Winterreifen bei Pkw", bilanziert Prüfer. Die Marktreife dafür wird nur eine Frage der Zeit sein. Reifen für Fahrräder gibt es bereits seit zwei Jahren.

Nominiert für den Zukunftspreis

Natürlich ist die Grundlagenforschung mit dem russischen Löwenzahn nicht unbeachtet geblieben. Längst arbeitet Dirk Prüfer mit seinem 25-köpfigen Forschungsteam mit dem Reifenhersteller "Continental" zusammen.

Und der russische Löwenzahn hat es tatsächlich in die Runde der letzten drei Vorschläge für den "Deutschen Zukunftspreis 2021" geschafft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird den Preis am 17. November übergeben. Und die Chancen für den Löwenzahn stehen wohl gar nicht so schlecht.

Autoreifen aus Löwenzahnkautschuk Planet Wissen 20.06.2018 04:37 Min. Verfügbar bis 20.06.2023 WDR

Stand: 12.10.2021, 11:32