Herausforderung für Naturfilmer: Die Lippe im Kreis Soest

Herausforderung für Naturfilmer: Die Lippe im Kreis Soest

  • Tolle Bilder mit Störchen, Bibern und ungewöhnlichen Insekten
  • Fluss von der Mündung bis zur Quelle dokumentiert
  • Premiere der WDR-Dokumentation am Dienstag um 20.15 Uhr

Die Lippe ein Vorzeigefluss? Weit gefehlt! Der Naturfilmer Ulf Marquardt lebte dreißig Jahre in verschiedenen Städten an den Ufern der Lippe. Aber als Filmstoff kam ihm dieses trübe, miefige Gewässer nie in den Sinn. Beides hat sich geändert.

Ein Interview mit Ulf Marquardt

Entlang des Flusses gibt es jetzt Naturschutzgebiete, die Lippe kann sich an vielen Stellen ausbreiten und schlängelt sich durch die Auen. Ulf Marquardt hat eine Dokumentation über den Fluss gedreht. Am Dienstagabend (16.04.2019, 20:15 Uhr) läuft sie im WDR-Fernsehen, in der Mediathek ist sie schon seit Dienstagmorgen zu sehen. Heinrich Buttermann hat mit dem Filmemacher gesprochen.

WDR: Herr Marquardt, Sie sind schon weit herum gekommen. Da klingt der Auftrag "mach mal einen Film über die Lippe" nicht so spannend...

Naturfilmer Ulf Marquardt

Ulf Marquardt an der Lippe

Ulf Marquardt: Ich hatte das Glück bei meiner Arbeit, einiges von der Welt zu sehen. Ich war auf dem Packeis in Kanada mit Robbenbabys oder habe auf den Bahamas mit Haien getaucht. Da könnte man denken, die Lippe hat nicht viel zu bieten. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wenn man genau hinschaut, sieht man viele tolle Sachen!

WDR: Noch nie ist es jemandem gelungen, Biber an der Lippe zu filmen. Wie haben sie es geschafft?

Marquardt: Da hat mich schon der Ehrgeiz gepackt. Ich habe mich ein paar Abende auf die Lauer gelegt. Aber es hat sich nie einer blicken lassen. Irgendwann habe ich dann die Geduld verloren. Ein Kollege, Jens Klingebiel, hat das für mich dann übernommen: Er hat sich tagelang in den mückenverseuchten Wald gesetzt und hat die schönen Aufnahmen hinbekommen.

Abenteuer Erde: An den Ufern der Lippe
Ein Film von Ulf Marquardt
Dienstag, 16.04.2019, 20:15 Uhr
Wiederholung: 22.04. 18.00 Uhr
WDR-Fernsehen

WDR: Nicht alles hat geklappt. So scheinen sich Störche nicht immer an Regieanweisungen zu halten?

Marquardt: (Lacht) Nein, das machen die Tiere wirklich nicht. Den ganzen Morgen habe ich Störche gefilmt. So etwa einmal die Stunde sind die weggeflogen, um Frösche oder andere Nahrung für die Küken zu suchen. Und die sind immer nach rechts weg geflogen. Ich habe also die Kamera eingerichtet. Wir wollten das so richtig schön in Zeitlupe zeigen. Und was passiert? Beim nächsten Abflug wird links gestartet. Also alles umsonst. Das sind Gelegenheiten, wo ich mich frage, habe ich eigentlich den richtigen Beruf? (lacht) Aber eigentlich sehe ich das gelassen. Nur, wenn es die letzte Möglichkeit ist, so ein Bild zu bekommen, dann bin ich manchmal schon etwas sauer, dann ist es schon sehr ärgerlich, wenn man viel Zeit investiert hat.

WDR: Mit der Lippe haben sie eine enge Verbindung...

Naturfilmer Ulf Marquardt

Marquardt im Tarnanzug

Marquardt: Ich bin mehr oder weniger an der Lippe aufgewachsen, ich habe in Selm gewohnt, ich bin in Lünen zur Schule gegangen und so weiter. Die Lippe war immer ein dreckiger, miefiger, dampfender Fluss. Toll, was sich da in den letzten Jahren getan hat.

WDR: Die Dreharbeiten gehen ja auch noch weiter...

Marquardt: Ja, wir machen eine XXL-Fassung, die Weihnachten gezeigt werden soll. Ich habe viele spannende und nette Menschen an der Lippe kennengelernt. Die sollen dann vorkommen. In der 90-Minuten-Version geht es also nicht nur um Tiere und Pflanzen. Wenn Sie jemanden kennen, der viel mit der Lippe zu tun hat und der es wert wäre, in unserem Film portraitiert zu werden, dann freue ich mich auf Hinweise.

Das Interview führte Heinrich Buttermann

Stand: 15.04.2019, 18:14