Ende in Sicht im Prozess um misshandelte Flüchtlinge in Burbach

Zwei Sicherheitsleute, die in der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach einen am Boden liegenden Flüchtling misshandeln

Ende in Sicht im Prozess um misshandelte Flüchtlinge in Burbach

Von Gaby Rosenkranz

Im Prozess um misshandelte Flüchtlinge in der ehemaligen Unterkunft in Burbach gab es am Dienstag die letzten vier Plädoyers. Die Urteile werden am 07. Juli 2021 gesprochen.

Angeklagt sind die drei Wachmänner und ein Sozialbetreuer unter anderem wegen Freiheitsberaubung und Nötigung.

Der Staatsanwalt beantragte für sie Geldstrafen zwischen 1.300 und fast 4.000 Euro. Die Verteidiger fordern dreimal einen Freispruch und eine "milde Geldstrafe".

Siegerlandkaserne Burbach von außen

In den Häusern der ehemaligen Siegerlandkaserne waren die Flüchtlinge untergebracht

Einer der Angeklagten ist ein Wachmann, der sich mit auf dem mittlerweile bekannten Foto befindet, auf dem ein Flüchtling auf dem Boden liegt und ein Wachmann ihm seinen Fuß in den Nacken drückt. Für ihn möchte sein Anwalt einen Freispruch oder eine Geldstrafe "im unteren Bereich". Durch dieses Foto und ein Video waren die Vorfälle in der Unterkunft im September 2014 an die Öffentlichkeit gelangt.

Staatsanwalt will nur die Wahrheit

Der betroffene Bewohner hatte den angeklagten Wachmann in der Hauptverhandlung wiedererkannt. Auf Bildern von 2013/2014 aber nicht.

Für Staatsanwalt Christian Kuhli ist das eine schwierige Situation: Dass man einen Menschen erkennt, wie er nach Jahren aussieht, aber so, wie er damals in Burbach aussah, nicht. Er will die Wahrheit erforschen und wissen, was tatsächlich passiert ist. Die rechtliche Bewertung sei in vielen Fällen dann aber schwierig, Vieles bliebe im Dunkeln.

Prozess läuft seit zweieinhalb Jahren

Anklagebank in der Siegerlandhalle mit mehreren Tischreihen

Am 08. November 2018 begann der Prozess gegen 38 Angeklagte aus Platzgründen in der Siegerlandhalle. Gegen neun von ihnen wurde und wird noch separat verhandelt. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung und Diebstahl vor. Die Übergriffe sollen zwischen Dezember 2013 und September 2014 stattgefunden haben.

Coronabedingt war der Prozess mehrere Monate unterbrochen worden.

Stand: 15.06.2021, 14:16