Erdbeeren aus dem Münsterland zu teuer für den Markt?

Lokalzeit Münsterland 25.05.2022 02:33 Min. Verfügbar bis 25.05.2023 WDR Von Andrea Hansen

Landwirte aus dem Münsterland zerstören aus Protest Erdbeerfelder

Stand: 25.05.2022, 18:23 Uhr

Die Erdbeerbauern im Münsterland leiden unter zu niedrigen Preisen im Lebensmittelhandel. Weil es sich nicht mehr lohnt, ernten einige ihre Felder nicht länger ab.

Trecker auf dem Erdbeerfeld

Rahmann zerstört einen Großteil seiner Erdbeerpflanzen

Andreas Rahmann aus Coesfeld zum Beispiel mäht aktuell ganze Reihen mit reifen Früchten ab. Hier soll schon ab kommender Woche Mais wachsen, damit der Acker dieses Jahr noch Geld einbringt. "Man könnte weinen - das ist die Arbeit eines Jahres oder sogar mehrerer Jahre. Wenn man das dann kaputt macht, ohne den Nutzen zu haben, ist das schon sehr ärgerlich", meint Rahmann.

Erdbeeren mähen aus Protest

Der Erdbeerbauer möchte nicht, dass nur der Supermarkt noch Geld mit seinen Erdbeeren verdient. Der Lebensmittelhandel kaufe aktuell lieber Billig-Erdbeeren in Spanien und den Niederlanden ein und biete oft minderwertige Ware dann zu günstigen Preisen im Supermarkt oder Discounter an. Dabei sei nämlich die Marge deutlich höher.

"Wenn wir Verbraucher weiterhin Erdbeeren aus Deutschland haben wollen, dann müssen wir dafür mehr Geld bezahlen - anders geht es nicht." Andreas Rahmann, Landwirt
Erntehelfer sind auf dem Feld und tragen die zerschredderten Folien ab.

Der Landwirt beschäftigt aktuell 20 Erntehelfer

Für eine 500 Gramm Schale Erdbeeren würde der Landwirt aktuell knapp einen Euro und einen Cent vom Einzelhandel bekommen - damit zahlt er drauf. In der Direktvermarktung verkauft der Erdbeerbauer dieselbe Menge Früchte für 4,50 Euro. Damit könne er auch seinen 20 Erntehelfern aus Rumänien gut den Mindestlohn zahlen und sie vernünftig unterbringen.

"Handel in Zukunft nicht mehr beliefern"

Andreas Rahmann steht auf seinem Feld und blickt in die Kamera.

Rahmann ist traurig und sauer über die aktuelle Situation

"Wir Landwirte tragen das Risiko von Hagel, Starkregen, schlechtem Wetter und von der Situation in der Ukraine", klagt Rahmann. Deshalb verstehe er nicht, warum die Preisspanne des Einzelhandels so groß sein soll und die der Landwirte so klein.

Bereits im vergangenen Jahr hätte sich die aktuelle Situation abgezeichnet. Daraufhin habe der Landwirt bereits seine Flächen verkleinert. In Zukunft will er die Supermärkte gar nicht mehr beliefern.

Auch andere Landwirte betroffen

Auch Erdbeer- und Spargelbauer Stephan Bäcker aus Münster ist stinksauer: Er hat auf 20 Hektar Erdbeeren angebaut. Doch auch er rechnet damit, dass er ein Drittel davon nicht ernten wird. Das wären um die 50 Tonnen Früchte für nichts.

Er ärgert sich, dass Erdbeerbauern im Ausland unter ganz anderen Bedingungen produzieren dürfen als in Deutschland. "Die müssen nicht so strenge Auflagen erfüllen wie wir, die können viel preiswerter produzieren." Bäcker fordert gleiche Bedingungen für alle. "Dann gäbe es nicht so große Preisunterschiede!"