Hebammen-Mangel: Kreißsaal in Paderborn vorerst abgemeldet

Das Krankenhaus St. Johannisstift in Paderborn muss bis November 2021 die Kreißsäle abmelden.

Hebammen-Mangel: Kreißsaal in Paderborn vorerst abgemeldet

Das Krankenhaus St. Johannisstift in Paderborn kann vorübergehend keine spontanen Geburten mehr annehmen. Die Klinik hat nach eigenen Angaben zu wenige Hebammen.

Schon eine ganze Weile sucht das Personal in dem Paderborner Krankenhaus neues Personal. Zusätzlich gibt es aktuell auch noch krankheitsbedingte Ausfälle. Somit kann das Krankenhaus nicht mehr alle Hebammendienste abdecken. Eine sichere Versorgung für Mutter und Kind sei nicht mehr garantiert, so das Krankenhaus.

Bis voraussichtlich Ende Oktober bleibt der Kreißsaal im St. Johannisstift vorerst abgemeldet. Bis dahin könnten offene Stellen nachbesetzt und die akuten Ausfälle wieder einsatzbereit sein. Spätestens ab dem 1. November könne der Betrieb wieder aufgenommen werden. Alle Frauen, die derzeit für eine Geburt angemeldet sind, wurden informiert. "Das ging natürlich über Emotionen, Enttäuschung, Verzweiflung, aber auch natürlich ein gewisser Zorn. Das ist aber auch nur nachvollziehbar und verständlich", so Ute Panske, Vorständlerin des St. Johannisstift.

In diesem Monat wurde mit noch etwa 70 Geburten gerechnet. Geplante Kaiserschnitte finden aber statt. Auch gynäkologische Patientinnen können behandelt werden.

Ausfälle können nicht kompensiert werden

Engagierte Hebammen hätten in den vergangen Wochen dafür gesorgt, dass die Geburten bis jetzt stattfinden konnten, wie aus einer Erklärung des Krankenhauses hervorgeht. Die weiteren Ausfälle hätten allerdings nicht mehr ausgeglichen werden können.

"Ich möchte aber auch, dass alle Mütter und Kinder, die hier zu uns in die Geburtsklinik kommen, mit absoluter Sicherheit betreut werden können. Das war nicht mehr gegeben", so Panske. Deswegen sei die Entscheidung sehr schwer, aber notwendig gewesen. Das Krankenhaus werde die baldigen Eltern beraten und bei der Suche nach einer passenden Lösung unterstützen.

St. Vincenz-Kliniken wollen aushelfen

Auch die St. Vincenz-Kliniken in Paderborn äußerten sich zu der Schließung des Kreißsaals. Nach eigenen Angaben stehen sie im engen Austausch mit dem St. Johannisstift. "Wir werden unser Bestes tun, um sowohl im St. Josefs-Krankenhaus in Salzkotten als auch im Kreißsaal an der Frauen- und Kinderklinik St. Louise allen schwangeren Frauen gerecht zu werden", so Christine Schmücker, leitende Oberärztin der Geburtshilfe.

Kapazitäten stark ausgelastet

Die Situation sei aber herausfordernd. Auch ohne die anstehenden Geburten vom St. Johannisstift gebe es eine große Menge von Geburten, die die Kapazitäten der Krankenhäuser stark auslasten. Den Frauen, die eine Geburt im St. Johannisstift geplant hatten, empfiehlt Schmücker, sich frühzeitig bei den St. Vincenz-Kliniken zu melden - "insbesondere dann, wenn die werdenden Mütter mit Wehen in die Klinik kommen."

Dennoch seien sie selbst aber mit ausreichend Hebammen-Personal ausgestattet, so die St. Vincenz-Kliniken.

Kritik an Personalplanung

Barbara Blomeier vom Hebammenverband NRW kritisiert die Personalplanung des Johannisstifts. Für die betroffenen Schwangeren sei das schlimm: "Wenn man nicht von vornherein so viel Personal eingestellt hat, dass man sowas auffangen kann, kommt man in so einer Situation ganz schnell an die Grenze."

Hebammen aufwerten

WDR 5 Politikum - Wiedervorlage 16.03.2021 03:11 Min. Verfügbar bis 16.03.2022 WDR 5 Von Tina Srowig


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Stand: 09.09.2021, 06:48