KZ Stutthof - das "unbekannte" Konzentrationslager

KZ Stutthof - das "unbekannte" Konzentrationslager

Von Detlef Proges

  • Aktueller Prozess gegen früheren SS-Mann
  • KZ-Geschichte für Gericht in Münster wichtig
  • Hunger und Tod gehörten zum Alltag

Der Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof ist ein Prozess mit Signalwirkung. Denn die Verhandlung in Münster, die am Donnerstag (14.12.2018) fortgesetzt wird, wird auch in Polen wahrgenommen. Dort stand das ehemalige KZ, rund 50 Kilometer östlich von Danzig.

Prozess wichtig "für die Menschen"

Der Leiter des Museum Stutthof, Piotr Tarnowski sagt: "Der Prozess hat zwar keine direkte Bedeutung für das Museum, denn er liefert keine neuen Informationen über die Geschichte. Aber für die Menschen ist er von sehr großer Bedeutung. Er zeigt, dass die Opfer nach so vielen Jahren nach dem Krieg darauf vertrauen können, dass die Verbrecher nicht ruhig schlafen können."

Hunger und Durst waren alltäglich

Aufnahme des heutigen Tores des KZ Stutthof bei Gegenlicht

Das Eingangtor des KZ wurde auch "Todestor" genannt

Von Anfang an war das KZ Stutthof dafür da, die Gefangenen seelisch und körperlich zu brechen. Anfangs mussten sie auf dem blanken Fußboden schlafen, ausgelegt mit etwas Stroh. Stundenlange Schwerstarbeit war alltäglich, bei ständiger Mangelernährung. Selbst die Wachhunde der SS waren teilweise schwerer als die hungernden Häftlinge.

Die Unternährung war Teil der qualvollen Behandlung der Menschen. Lebensmittel waren von schlechtester Qualität. Mittags gab es wässrige Suppe mit verfaultem Gemüse. Bis zu zwölf Stunden am Tag mussten die Gefangenen Zwangsarbeit leisten. Für viele war der langsame Hungertod die unvermeidliche Folge.

"Ärzte" spritzen Gift ins Herz

Schwarz-Weiß-Aufnahme der alten Lagerbaracken des KZ Stutthof

Häftlingsbaraacken im KZ--Stutthof

Auch Appelle gehörten zum Alltag. Die Gefangenen mussten draußen antreten und stundenlang ausharren. Wer seine Häftlingsnummer nicht auf Deutsch sagen konnte, wurde geprügelt. Viele starben an Erschöpfung, Kälte oder den Schlägen der SS-Männer.

In einer angeblichen Arztstube waren SS-Männer als Ärzte verkleidet. Statt einer Behandlung fanden dort viele den Tod. Den Gefangenen wurde das Gift Phenol direkt ins Herz gespritzt.

Ansonsten gab es viele andere Tötungsarten wie Vergasen, Erschießen und Erhängen. Insgesamt wurden etwa 110.000 Menschen ins Lager Stutthof deportiert. 65.000 von ihnen wurden ermordet oder starben auf Todesmärschen.

Mehr als 112.000 Besucher im Jahr

Heute erinnert eine Gedenkstätte an das Konzentrationslager. In diesem Jahr kamen über 112.000 Besucher in die Gedenkstätte, die direkt am Rand des kleinen Ortes Stutthof liegt. Erhalten sind noch zwei Häftlingsbaracken, drei Wachtürme, die Gaskammer und die Öfen des Krematoriums. Für das Gericht in Münster ist das wichtig, um eine Ahnung davon zu bekommen, was der jetzt Angeklagte sah und wissen konnte.

Stand: 12.12.2018, 13:35