Woher kommt der Wahlerfolg der kleinen Parteien in OWL?

Kommunalwahl 2020: Stimmzettel in OWL

Woher kommt der Wahlerfolg der kleinen Parteien in OWL?

Bei der Kommunalwahl haben in vielen Orten OWLs unabhängige Wählergemeinschaften zugelegt. Im Kreis Gütersloh kam die Landrats-Kandidatin einer Satire-Partei auf knapp 10 Prozent.

Bei der Stadtratswahl in Rheda-Wiedenbrück holte die Wählergemeinschaft „move“ auf Anhieb 21,8 Prozent. Mit elf Sitzen ist sie somit hinter der CDU zweitstärkste Kraft im Stadtrat. Dabei gibt es die Wählergemeinschaft erst seit knapp sechs Monaten. Einige der Kandidaten waren schon vorher politisch aktiv.

Unzufriedenheit mit großen Parteien

Gudrun Bauer war zuvor 25 Jahre in der SPD, ihr Parteikollege Thomas Theilmeier lange in der CDU. Beide waren mit der Arbeit der Parteien unzufrieden: „Durch viele Gespräche mit Bekannten, Freunden und Nachbarn war immer klar: Da muss was anderes kommen. Ende 2019 war das Feedback so überragend, dass die Leute sofort auf der Matte standen“, sagt Theilmeier.

Sie punkteten unter anderem mit ihrem Engagement gegen ein geplantes Einkaufscenter. Außerdem setzen sie sich für die Senkung von Kita-Gebühren und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ein.

Politikwissenschaftler: Nähe entscheidend

Für den Bielefelder Politikwissenschaftler Detlef Sack ist der Zuspruch für kleinere Gruppierungen nicht überraschend. „Kommunen sind der Bereich in denen Bürgerinnen und Bürger Politik am hautnahesten erfahren. Da kommt es bei ihnen an. Da kommt bei ihnen auch an, wer sich bei ihnen für sie einsetzt.“

Das kann auch Gudrun Bauer von „move“ bestätigen: „Viele haben gesagt: Ihr seid welche von uns, das fasziniert uns“. "move" in Rheda-Wiedenbrück ist nur ein Beispiel im Kreis Gütersloh. Dort erreichten gleich mehrere kleine Parteien und Vereinigungen beachtliche Wahlerfolge.

Satire-Politikerin mit 10 Prozent bei Landtagswahl

Die Satirepolitikerin Monika Vorberg von „Die Partei“ holte bei der Landratswahl knapp 10%. Ihre, natürlich ironisch gemeinte, Agenda ist klar: "Inhalte überwinden“. Auch dieses Ergebnis spiegelt den Willen der Wähler wieder, meint Politikwissenschaftler Sack: „Diese 10 Prozent wollen genau das. Dass die Politik durch Karikatur, durch Ironisierung permanent entlarvt wird.“

Unabhängiger Kandidat in Stichwahl im Bürgermeister-Amt

Ein weiteres Beispiel für den Erfolg der Kleinen ist Norbert „Nobby“ Morkes vom Verein „Bürger für Gütersloh“. Er schaffte es in die Stichwahl um den Bürgermeisterposten in der Kreisstadt und siegte souverän in seinem Wahlbezirk. Bei der Stichwahl tritt er gegen den amtierenden Bürgermeister Henning Schulz von der CDU an.

Stand: 15.09.2020, 11:08