Kommentar: Selbstbewaffnung ist der falsche Weg

Kommentar: Selbstbewaffnung ist der falsche Weg

Von Wolfgang Otto

Ein Bürgermeister aus NRW klagt vor Gericht darauf, im Dienst eine Waffe tragen zu dürfen - weil er von Rechten bedroht wird. Verständlich, aber keine gute Idee. Ein Kommentar.

Dass Repräsentanten unseres Staates um ihre Sicherheit fürchten, ist leider allzu verständlich. Es gab schlimme Angriffe in der jüngeren Vergangenheit: Den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, die Messerangriffe auf die Kölner Oberbürgermeisterin Reker und auf Bürgermeister Hollstein in Altena.

Keine Waffen für die Guten

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Wolfgang Otto

Aber die Selbstbewaffnung der möglichen Opfer ist der falsche Weg. Wohin der führt, zeigt das Beispiel der USA, wo Präsident Trump auf die Bewaffnung der Guten setzt, um die Bösewichte in Schach zu halten. Das Ergebnis ist nicht weniger, sondern mehr Gewalt.

Bestenfalls entsteht ein Gleichgewicht des Schreckens zwischen Tätern und Opfern, das jeden Tag auf der Straße neu austariert, nein: ausgeschossen wird. In einer solchen Gesellschaft will ich nicht leben.

Potentielle Täter entwaffnen

Die Spirale aus Angst und Schrecken kann nur einer durchbrechen: Der Staat. Und die Eskalation kann nur an einer Stelle gestoppt werden: Bei den Tätern. Statt die potentiellen Opfer zu bewaffnen, müssen potentielle Täter entwaffnet werden. Statt sich selbst eine Pistole einzustecken, sollten Politiker das Gewaltmonopol des Staates verteidigen und durchsetzen.

Konkret heißt das: Die Polizei aufrüsten und alle anderen abrüsten – auch durch strengere Waffengesetze und die Bekämpfung des Schwarzmarkt-Handels.Nach Attentaten muss die Frage immer lauten: Warum hatte der Täter eine Waffe? Und nicht: Warum hatte das Opfer keine?

"Bürgermeister bewaffnen? Eskalation vorprogrammiert"

WDR 5 Westblick - aktuell 07.01.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 06.01.2021 WDR 5


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Stand: 07.01.2020, 14:02

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