A45- Rahmedetalbrücke zwischen Luedenscheid Nord und Luedenscheid

Kommentar zur A45-Sperrung: "Fünf Jahre Lkw vor der Tür sind zu viel"

Stand: 12.01.2022, 17:57 Uhr

Die Verkehrsausschüsse von Bundestag und NRW-Landtag haben sich am Mittwoch mit der Sperrung der A45 und der kaputten Rahmede-Brücke beschäftigt. Dazu ein Kommentar von Arndt Brunnert.

Fünf Jahre wird auf der Sauerlandlinie zwischen Lüdenscheid-Nord und Hagen-Süd kein Auto mehr fahren. 1.825 Tage werden viele Lüdenscheider morgens zu früh von bremsenden und wummernden Lkw geweckt, um Stunden und nicht Minuten zur ihrer Arbeitsstelle zu pendeln – egal ob mit dem Bus oder dem eigenen Auto.

Arndt Brunnert

Arndt Brunnert

Innerhalb von fünf Jahre wird sich die Lüdenscheider Innenstadt leeren, manchem Geschäftsinhaber die finanzielle Luft ausgehen. Der ein oder andere Firmenchef wird lieber in Hagen oder Dortmund neue Jobs schaffen und nicht in Lüdenscheid. Fünf Jahre - mindestens.

Stau auf der Umleitung der A45 bei Lüdenscheid

Ewiger Stau?

Fünf Jahre sind zu viel. Warum werden Autobahnbrücken in anderen Ländern Europas schneller gebaut – in Italien oder in Dänemark? In Deutschland gibt es ein Gewirr von Vorschriften und Standards, die allen politischen Absichten zum Trotz, immer mehr statt weniger geworden sind.

Politik hat Vertrauen verspielt

Die Politik muss erstmal beweisen, dass sie es schafft, mit der Säge den Wald sinnvoll zu lichten. Viel Vertrauen hat sie bereits verspielt. Und deshalb bin ich auch skeptisch, wenn Bundeskanzler Scholz den Südwestfalen eine beschleunigte Planung verspricht. Das lobe ich, wenn es getan ist – nicht früher. Zu viele vor ihm haben nur geredet.

Und viele Regierungen, ob schwarz, rot, grün oder gelb ließen unser Straßennetz verkommen. Auch die Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene ist so ein hehres Ziel, das oft postuliert, aber zu selten wirklich konsequent umgesetzt worden ist.

Saal von innen beim NRW-Vverkehrsausschuss des Landtags

Verkehrsausschuss verhandelt Rahmedetalbrücke

Jetzt fehlen der im Vergleich zum Lkw oft teuren Deutschen Bahn die Züge und Waggons, die die Straßen entlasten könnten. Jetzt drängt die Wirtschaft, will Gleisanschlüsse reaktivieren. Vorausschauende Unternehmer haben das längst getan.

Krise als Chance?

Genug gemeckert. Sorry für die Binsenweisheit, aber vielleicht bringt uns diese Krise wirklich nach vorn. Vor allem, weil sie sich jederzeit wiederholen kann. Denn viele Brücken bundesweit sind dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen, sind in den sechziger und siebziger Jahren gebaut worden für kleinere und für viel weniger Lkw.

Jetzt ist so viel Druck im Bremszylinder, dass sich etwas ändern muss. Eine konsequente Verkehrswende würde auch für das Straßennetz Entlastung schaffen. Und eine neue Brücke für die Lüdenscheider – hoffentlich vor 2027.