Hitzige Debatte um Klimaschutz in Kreuztal

Dirk Wiese, Jörg Heynke, Dr. Hinrich Mählman und Matthias Bongard auf dem Podium

Hitzige Debatte um Klimaschutz in Kreuztal

Um klimaneutral und nachhaltig zu produzieren, sind Industrie und Unternehmen auf den Ausbau erneuerbarer Energien, E-Mobilität, Wärmenetze und Gebäudesanierung angewiesen. Vielen Unternehmer:innen geht das nicht schnell genug, das hat die Diskussion im Kreuztaler Achenbach-Forum deutlich gemacht. 

Sie wollen Verantwortung übernehmen und sie wollen auf dem Markt nicht abgehängt werden. Denn "Nachhaltigkeit" ist inzwischen zu einem wichtigen Verkaufskriterium geworden.

Jörg Heynkes und Dr. Hinrich Mählmann auf dem Podium

Jörg Heynkes (links) und Dr. Hinrich Mählmann

"Die Wirtschaft ist oft weiter als die Politik", sagt Podiumsgast Jörg Heynkes, Unternehmer und Klima-Aktivist. Den Unternehmer:innen sei längst klar, dass sie ökonomisch nur überleben könnten, wenn sie klimaneutral würden. Sie fordern jetzt von der Politik einen konkreten Fahrplan. 

Viele Versprechen, wenig konkrete Pläne

Welche besondere Bedeutung das für die südwestfälische Wirtschaft hat, stellt Dr. Hinrich Mählmann heraus. Der CEO der metallverarbeitenden Otto Fuchs Gruppe in Meinerzhagen spricht von einer "Inflation der Versprechungen". 

WDR-Studioleiterin Beate Schmies im Gespräch mit Publikum

Publikum und Saalmoderatorin Beate Schmies (rechts)

Große Unternehmen wie Porsche würden ankündigen, bis 2030 klimaneutral zu produzieren. Umsetzen müssten das aber hauptsächlich die Zulieferer, denn dort finde der Großteil der Produktion statt. Ob und wie sie das leisten könnten, danach werde vorher nicht gefragt. 

Trotzdem ist Mählmann zuversichtlich. Er selbst engagiert sich als Mitglied der "Stiftung 2 Grad" für die Erreichung der Klimaziele und sagt: "Wir werden das schaffen!"

Keine Zeit für Streit um "Kleinkram"

Jörg Hein, der als Vertreter für Greenpeace Siegen im Publikum sitzt, ist da noch skeptisch. Es dürfe in dieser Diskussion nicht um "Kleinkram" gehen, findet er. Angesichts der bedrohlichen Klimaentwicklung müsse man nicht über Straßenbau, sozialverträgliche Ziele oder Wohlstand sprechen: "Es geht um die nackte Existenz auf diesem Planeten!"

Damit wirft er die Frage auf, welche Opfer jeder einzelne für die gemeinsame Zukunft bringen muss. Auch darüber wird in Kreuztal diskutiert: Fleischkonsum, Windräder vor der eigenen Haustür, Konsumverhalten und Vorbilder. 

Alrun Krönert

Alrun Krönert beim Stadtgespräch

"Ich verstehe nicht, wie meine Nachbarn sich gegen eine Windkraftanlage wehren können", sagt beispielsweise Alrun Krönert vom Netzwerk Natur und Verkehr Siegen-Wittgenstein (Natur 57). 

Im eigenen Umfeld Verantwortung übernehmen 

Auch Kreuztals stellvertretender Bürgermeister Dieter Gebauer (Grüne) mahnt dazu, zuerst vor der eigenen Haustür zu kehren. "Wir regen uns auf, wenn in Brasilien Regenwald abgeholzt wird, weil Leute darin Kapital sehen", sagt er. Doch wenn bei uns Wald für den Straßen und Gewerbeflächen gerodet werde, dann sei das nichts anderes. 

Angesichts der vielen verschiednen Aspekte und Sichtweisen hätte die Diskussion im Achenbach-Forum wohl noch weit über die Sendezeit des WDR5 Stadtgesprächs hinaus weitergehen können. Jedenfalls wünschten sich viele Beteiligte am Ende des Abends eine Fortsetzung. 

Stadtgespräch aus Siegen: Wie erreichen wir die Klimaschutzziele

WDR 5 Stadtgespräch 11.11.2021 55:57 Min. Verfügbar bis 11.11.2022 WDR 5


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Stand: 12.11.2021, 12:32