Kleine Wasserwerke fürchten um Existenz

02:39 Min. Verfügbar bis 04.07.2023

Kleine Wasserwerke fürchten um Existenz

Stand: 05.07.2022, 06:08 Uhr

Betreiber kleiner Wasserkraftwerke entlang der Ruhr und Lenne fürchten sich um ihre Zukunft. Grund ist ein aktueller Entwurf des EEG-Gesetzes. Der sieht vor die Werke nicht mehr zu fördern.

Carsten Linneborn

Carsten Linneborn sorgt sich um sein Wasserkraftwerk

Für Carsten Linneborn ist unklar, wie lange er sein Wasserkraftwerk noch betreiben kann. Seit 150 Jahren erzeugt es Strom in Meschede-Freienohl. "Gemeinsam mit einem anderen Wasserkraftwerk können alle 4.000 Einwohner und 1.200 Haushalte mit CO2-freiem Strom versorgt werden.", erzählt Linneborn.

Bisher hat Carsten Linneborn für den erzeugten Strom eine festgelegte Einspeisevergütung bekommen. Die Förderung könnte es in Zukunft nicht mehr geben. Denn nach einem aktuellen Entwurf des EEG-Gesetzes wollen das Bundeswirtschafts- und das Bundesumweltministerium das Geld nun in den Natur- und Artenschutz investieren.

Energiekrise: Kleine Wasserkraftwerke könnten wichtig sein

Das geplante Vorhaben schockiert Carsten Linneborn. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Energiekrise. Für den in Wasserwerken erzeugten Strom brauche man keine Leitungen und Trafos, schildert er.

"Der Strom wird vor Ort hergestellt und vor Ort verbraucht." Carsten Linneborn
Das Wasserwerk in Freienohl

150.000 Euro hat Linneborn für den Artenschutz investiert

Außerdem leisten viele kleine Wasserkraftwerke schon jetzt einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz. Damit bei ihm keine Fische umkommen, hat Carsten Linneborn zum Beispiel ein Schutzgitter und eine Fischtreppe gebaut.

Politiker vor Ort informieren sich über Wasserkraftwerke

Stefan Slembrouck und Carsten Linneborn

Austausch zwischen Betreibern und Politikern

Über seine Sorgen und Ängste hat Linneborn mit dem Grünen-Politiker Stefan Slembrouck gesprochen. Der möchte sich nun für eine Einzelfallprüfung bei der Förderung von kleinen Wasserkraftwerken einsetzen. "Dieses Werk muss mit vernünftigen Mitteln erhalten bleiben. Es sollte weiter betrieben werden können", sagt Slembrouck.

Carsten Linneborn gibt das ein wenig Hoffnung. Trotzdem will er sich weiter für den Erhalt kleiner Wasserkraftwerke einsetzen. "Alleine im Sauerland werden 99 Wasserkraftwerke betrieben. Bundesweit spricht man von 6.500 Kraftwerken, die alle ihre Berechtigung verlieren würden", betont er.

Über dieses Thema berichtete der WDR am 04.07.2022 in der Lokalzeit Südwestfalen und in den WDR2 Nachrichten.