Depressionen durch Haarwuchsmittel?

Glatze eines Mannes

Depressionen durch Haarwuchsmittel?

  • Klage gegen Pharmahersteller wegen Haarwuchsmittel
  • Vorwurf: Depressionen und Übergewicht
  • Nebenwirkungen von Wirkstoff Finasterid bekannt

Vier Jahre lang hat ein Mann versucht, seinen Haarausfall mit Pillen zu stoppen. Damit habe er sich massive Gesundheitsprobleme eingehandelt: Depressionen mit Suizidgedanken, sexuellen Einschränkungen wie Erektionsstörungen, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. So die Begründung für seine Klage gegen den Pharmahersteller, die am Mittwoch (22.05.2019) vor dem Landgericht Paderborn verhandelt wurde.

Die Pillen enthalten den Wirkstoff "Finasterid", der in mehreren verschreibungspflichtigen Medikamenten enthalten ist. Sie werden tausendfach bei erblich bedingtem Haarausfall und gutartigen Prostatavergrößerungen verordnet.

Übergewicht und Depressionen

Der Kläger, ein Mittdreißiger aus NRW, möchte aber, das der Wirkstoff vom Markt verschwindet. Den Hersteller hat er auf 100.000 Euro Schmerzensgeld verklagt: "Ich bin annähernd impotent, habe starke Schmerzen im Unterleib, von unangenehm bis unerträglich", schildert der Diplomkaufmann.

Aus einem gesunden, aktiven und positiven Typ sei ein übergewichtiger, schmerzgeplagter Mensch mit Depressionen geworden – obwohl er das Mittel schon Ende 2015 abgesetzt habe. Das beklagte Unternehmen betonte dagegen, die vorgebrachten Gesundheitsbeschwerden des Klägers seien nicht vom genannten Arzneimittel verursacht.

Haarausfall: Was kann man dagegen tun?

WDR 5 Leonardo Top Themen 07.06.2018 09:12 Min. Verfügbar bis 06.06.2023 WDR 5

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Nebenwirkungen in Studien nachgewiesen

Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist die Wirksamkeit von Finasterid bei vererbten Hausaufall beim Mann belegt. Das Amt weist zugleich darauf hin, dass Nebenwirkungen wie Depressionen und sexuelle Funktionsstörungen in Studien nachgewiesen seien. Diese dauerten auch nach einem Stopp der Therapie "Monate bis Jahre".

Erst im Sommer 2018 hatten Zulassungsinhaber und Vertreiber finasteridhaltiger Arzneimittel Ärzte in Absprache mit dem BfArM über diese Risiken informiert.

Hersteller muss Auskunft erteilen

Der Kläger ist einer von mehreren, die eine Musterklage angestrengt haben. In Paderborn gab es schon am ersten Prozesstag einen Teilerfolg: Das beklagte Pharmaunternehmen muss dem Kläger ausführlich Auskunft über Wirkungen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und bekanntgewordenen Verdachtsfällen geben.

Stand: 22.05.2019, 17:52