Keine (Aus-)Wahl bei der Bürgermeisterwahl

Keine Gegenkandidaten bei Bürgermeisterwahlen 04:03 Min. Verfügbar bis 07.09.2021

Keine (Aus-)Wahl bei der Bürgermeisterwahl

Von Christina Jahnich

In Südwestfalen gibt es in zehn Kommunen nur einen einzigen Bürgermeisterkandidaten. Von einer Auswahl kann da keine Rede sein.

Bei der Kommunalwahl am 13. September geht es auch um das Bürgermeisteramt. Doch nicht überall müssen sich die Wähler zwischen zwei oder mehreren Kandidaten entscheiden: Allein in Südwestfalen gibt es in zehn Kommunen nur einen Bewerber.

"Ja" oder "Nein" ankreuzen

"Ja" oder "Nein" können die Wähler in der Gemeinde Ense auf dem Wahlzettel für den Bürgermeister ankreuzen. Rainer Busemann ist der einzige Kandidat, parteilos, neu im politischen Geschäft. Außer ihm bewirbt sich niemand für das Amt.

Die etablierten Parteien in Ense stehen hinter dem 58-Jährigen. Auch die CDU, stärkste Fraktion im Rat, unterstützt ihn. Sie hat keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. "Es fand sich keiner, der vom Ehrenamt ins Hauptamt wechseln wollte", sagt die Gemeindeverbandsvorsitzende Silvia Klein.

Bürgermeister kein einfacher Job

Bürgermeister – das sei keine einfache Aufgabe, bestätigt die Politikwissenschaftlerin Ines Gerke-Weipert. Verwaltung, Finanzen, viele Abendtermine und damit nicht gerade eine 40-Stunden-Woche, fasst sie zusammen. "Das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, für die nicht jeder in Frage kommt."

Kandidatensuche manchmal schwer

Kein Gegenkandidat bei Bürgermeisterwahl

Bernhard Baumann ist in Neunkirchen der einzige Bürgermeisterkandidat

Die Politikwissenschaftlerin beobachtet, dass die Kandidatensuche in einigen Kommunen schwerfällt. In Ostdeutschland sei diese Tendenz aber stärker. Doch nicht nur in Südwestfalen, auch in Ostwestfalen und im Münsterland zum Beispiel steht mancherorts nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel.

Für Ines Gerke-Weipert ist das nicht zwingend ein Zeichen von Politikverdrossenheit. Es könne auch bedeuten, dass alle zufrieden sind mit der Arbeit des Amtsinhabers und ihn deshalb entweder unterstützen oder zumindest keinen Gegenkandidaten aufstellen.

So wie in Rüthen und Bad Sassendorf. Oder in Medebach, wo Bürgermeister Thomas Grosche bei der letzten Wahl mehr als 90 Prozent der Stimmen holte. Er ist auch diesmal der einzige Kandidat.

Niederlage fast vorprogrammiert

In solchen Orten sei eine Niederlage für Gegenkandidaten fast vorprogrammiert, sagt Ines Gerke-Weipert. "Dann überlegen sich Leute natürlich, ob sie diese Strapazen auf sich nehmen."

Diese Erfahrung haben in der Vergangenheit in der Gemeinde Ense zwei CDU-Kandidaten machen müssen. Silvia Klein will ihren Parteifreunden das ersparen. "Die Enser wollen offensichtlich keinen politischen Kopf in der Gemeindeverwaltung", stellt die Vorsitzende fest.

Mit dem parteilosen Rainer Busemann scheint er gefunden. Vorausgesetzt, die Enser machen bei der Wahl mehr Kreuzchen bei "Ja" als bei "Nein".

Stand: 08.09.2020, 09:39