Kriminelle Arbeitsvermittler in der Fleischindustrie im Visier

Mitarbeiter mit Mund-Nasen-Schutz zerlegen Schweinekeulen

Kriminelle Arbeitsvermittler in der Fleischindustrie im Visier

Trotz einer Gesetzesänderung gibt es beim Fleischkonzern Tönnies in einigen Bereichen noch Werkvertragsarbeiter. Das nutzen offenbar einige kriminelle Arbeitsvermittler aus.

Sie machen anscheinend Millionengeschäfte mit Menschen, die bei dem Konzern aus Rheda Wiedenbrück arbeiten wollen. Denn abgeschafft ist die Werkvertragsarbeit nur in Teilen.

Es gab zwar eine Gesetzesänderung zu den so genannten Werkverträgen, nach der der Konzern 6.000 Mitarbeitende fest anstellen musste. Doch gänzlich abgeschafft sind die umstrittenen Werkverträge trotzdem nicht. Zum Beispiel in der Logistik, der Reinigung und auch in Teilen der Verarbeitung. Das nutzen einige Arbeitsvermittler offensichtlich skrupellos aus.

Kriminelle werben Menschen im Ausland an

Der Gütersloher Sozialdemokrat Volker Richter (SPD) ist Vorsitzender eines runden Tisches, der sich um die Belange von Mitarbeitenden bei Tönnies kümmert. Viele würden noch immer von kriminellen Organsiationen im Ausland angeworben und dann in Deutschland ausgenommen, sagte Richter dem WDR. Pro Mitarbeiter verlangten die Kriminellen dabei bis zu 8.000 Euro.

Und Garantien für die Arbeiter gibt es nicht. Der Politiker sagte: "Viele von denen haben ihren Job dann auch wieder verloren. Und dann nicht nur den Job, sondern auch das Geld."

Arbeitsvermittler verstricken Arbeiter in kriminelle Vorgänge

Eine weitere Masche sei, die Menschen damit zu locken, dass sie hier gar nicht arbeiten müssten, sondern sie "kämen nur zu dem Zweck, mit gefälschten Papieren Kredite aufzunehmen" und dann einen Teil davon an die Vermittler weiterzugeben, so Richter weiter.

Tönnies hat eigene Ermittlungen aufgenommen

Der Konzern selbst weiß von den Vorgängen und hat private Ermittler eingesetzt, um Beweise gegen die Arbeitsvermittler zu sammeln. Die Ergebnisse hat Tönnies der Staatswanwaltschaft in Bielefeld übergeben. Die bestätigt den Eingang mindestens einer Strafanzeige: der Beschuldigte solle Kredite auf die Namen mehrerer Arbeiter beantragt haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Konzern erntlässt 18 Verdächtige

Tönnies selbst will mindestens 18 verdächtige Arbeitsvermittler entlarvt haben. Man habe sich von den Beschuldigten sofort getrennt, betonte Tönnies-Personalvorstand Martin Bocklage. Und: je mehr Beschäftigte fest in den Betrieb integriert und von ihm betreut würden, desto weniger kriminelle Elemente würden sich "rund um unsere Leute tummeln."

Das Unternehmen will nun augenscheinlich sein Image aufpolieren und positioniert sich als fürsorglicher Arbeitgeber. Dabei hat der Konzern jahrzehntelang durchaus profitiert vom bisherigen System mit externen Arbeitskräftevermittlern. Bocklage sagte weiter, dass es überall, wo Menschen arbeiteten "Vorfälle gibt, die nicht vernünftig sind und nicht gut sind, ist klar." Er habe da kein schlechtes Gewissen.

Tatort Fleischfabrik: Der Dokumentarfilm "Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit" Westart 13.03.2021 03:32 Min. UT Verfügbar bis 13.03.2022 WDR Von Christof Boy

Stand: 06.07.2021, 11:11