Studie zur Jugendkriminalität widerlegt Vorurteile

Ein Mann hält eine geballte Faust in die Kamera. Nur die Faust ist scharft zu sehen.

Studie zur Jugendkriminalität widerlegt Vorurteile

  • Kriminelle Karriere nicht zwingend
  • 3.000 Menschen jahrelang begleitet
  • Soziales Umfeld ist entscheidend

Wer als Jugendlicher kriminell wird, bleibt es in der Regel nicht sein Leben lang. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der Universitäten Münster und Bielefeld.

"Einmal kriminell, immer kriminell" - Studie widerspricht

Die Wissenschaftler um den Kriminologen Klaus Boers und den Soziologen Jost Reinecke hatten von 2002 bis 2019 in Duisburg rund 3.000 Personen zwischen dem 13. und dem 30. Lebensjahr regelmäßig nach selbst begangenen Straftaten, Einstellungen, Werten und Lebensstilen befragt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass nach dem Ende des Jugendalters die allermeisten nicht mehr straffällig werden. Und das liegt vor allem an ihrem sozialen Umfeld: "Mit zugewandten und aufmerksamen Eltern und Lehrern, unter Freunden und in Vereinen regelt sich das meiste von selbst", sagt Boers.

Angemessene Reaktion entscheidend

Die Jugendlichen würden soziale Normen vor allem dann akzeptieren, wenn die Gesellschaft pädagogisch angemessen auf Regelverletzungen reagiere, schreiben die Autoren in ihrer Studie mit dem Titel "Kriminalität in der modernen Großstadt". Und nach ihrer Auffassung ist die Justiz auf einem richtigen Weg, wenn sie den Strafrahmen nicht immer ausschöpft, sondern auch mal ein Auge zudrückt und Verfahren einstellt. Das hat laut den Autoren in den vergangenen Jahren nicht zu mehr Jugendkriminalität und Gewalt geführt, sondern zu einem Rückgang.

Zahlen gehen deutlich zurück

Von einer "Null-Toleranz-Strategie", also einer schnellen Verurteilung auch bereits bei leichten Straftaten, sei daher abzuraten. "Die Gewaltkriminalität ist seit Mitte der 2000er Jahre deutlich zurückgegangen, bei Jugendlichen und Heranwachsenden sogar um die Hälfte. Das sagen offizielle Kriminalitätsstatistiken und Dunkelfeldbefragungen", betont Boers.

Stand: 13.01.2020, 14:32