Nach dem Krebs auf den Jakobsweg

02:27 Min. Verfügbar bis 11.05.2023

Nach dem Krebs auf den Jakobsweg

Stand: 11.05.2022, 20:09 Uhr

Annette Denker hatte Krebs. Und sie hatte einen Plan: Wenn sie den Krebs überlebt, wird sie den Jakobsweg gehen. Sie hat es geschafft.

Von Katja Brinkhoff

"Wenn es mir schlecht ging, habe ich immer gedacht, diesen Tag noch und dann den nächsten. Alles bringt dich näher an deine Reise zum Jakobsweg," erzählt Annette Denker. Die Frau, die einmal lange blonde Haare hatte. Jetzt nach der Chemo trägt sie eine graue Igelfrisur.

Die Freudenbergerin ist den Jakobsweg gegangen, die letzte Etappe. 112 Kilometer in sechs Tagen – zusammen mit ihrem Lebensgefährten: "Das war schon eine riesengroße Herausforderung für jemanden, der vor fünf Monaten noch in der Chemo war."

Schritt für Schritt ans Ziel

Annette Denker auf ihrer Reise

Der Jakobsweg war das große Ziel beim Kampf gegen den Krebs

Eine Freundin hatte die Pilgerreise unternommen und Kraft daraus geschöpft. Das gab den Ausschlag, es auch zu versuchen. 20 bis 25 Kilometer pro Tag wandern, manchmal bis zu sieben Stunden lang. Schritt für Schritt.

Kleine Schritte sind normalerweise nicht Annette Denkers Ding. Die 59-Jährige ist eine Frau der klaren Worte, zielstrebig, diszipliniert, sehr selbstbewusst. Sie liebt das Reisen, fährt leidenschaftlich gern Motorrad. Das geht im Moment noch nicht. Es fehlt die Kraft, die schwere Maschine zu halten.

„Ich wollte wissen, ob ich das tatsächlich schaffe“

Annette Denker auf ihrer Reise

112 Kilometer ist Annette Denker in sechs Tagen gewandert

Was treibt so eine Frau auf den Jakobsweg? Annette Denker: "Ich glaube, ich wollte wissen, ob ich das tatsächlich schaffe. Und dann wollte ich auch Gott wieder näherkommen, irgendwie." Mit ihm hatte sie gehadert während der Krebserkrankung. "Ich glaube an Gott. Doch wenn es besonders schlimm war, habe ich mit ihm geschimpft. Habe gesagt, Gott, du bist ein Arschloch. Das musste er aushalten."

Sie ist Gott näherkommen, sagt Annette Denker jetzt nach der Reise. Immer wieder traf sie auf ihrem Weg von Portomarín nach Santiago de Compostela auf kleine Kapellen. "Da einfach nur zu sitzen und den Kopf zu sortieren. Das war besonders."

Besonders waren auch die Begegnungen mit den Menschen, die den Jakobsweg gingen "um irgendetwas von dieser Reise mitzunehmen." Viele dieser Menschen hat Annette Denker unterwegs aus den Augen verloren und dann doch auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela wiedergetroffen – erschöpft und glücklich: "Wir haben uns umarmt und dann flossen die Tränen."

Am Ende gab es noch einen Heiratsantrag

Annette Denker ist wieder zu Hause. Ihr Ziel, den Jakobsweg zu gehen, wenn sie den Krebs besiegt, hat sie geschafft. "Dieses Ziel vor Augen, hat mir geholfen, gesund zu werden."

Annette Denker mit ihrem Freund auf der Reise

Am Ende der Reise bekam Annette Denker einen Heiratsantrag

Und wie geht es weiter? Annette Denker wird heiraten. Diesen Weg gemeinsam zu gehen, hat sie und ihren Lebensgefährten noch mehr zusammengeschweißt. Und am Ende der Pilgerreise gab es einen Heiratsantrag.

Über dieses Thema berichtete das WDR Fernsehen in der Lokalzeit Südwestfalen am 11.05.2022.