Besinnung mit "Lichtzeiten" im Soester Dom

Probst Röttger von der katholischen Patrokli-Gemeinde in Soest. Im Hintergrund Patrokli-Dom und Weihnachtsmarkt Soest.

Besinnung mit "Lichtzeiten" im Soester Dom

Schon vor der Adventszeit blinken in Häusern und Gärten Lichterketten, jagen Menschen Geschenken hinterher. Aber: Advent und Weihnachten ist mehr als Einkaufen, sagt Probst Dietmar Röttger im Interview.

WDR: Herr Röttger, Sie wollen dem vorweihnachtlichen Trubel etwas entgegensetzen. Sie bieten im Soester Dom erstmals "Lichtzeiten" an. Was ist das für ein Angebot?

Dietmar Röttger: Der Patrokli-Dom steht mitten im Soester Weihnachtsmarkt. Dadurch kommen sehr viele Menschen auch in den Dom. Das wollen wir nutzen und montags bis donnerstags um 17 Uhr direkt an der Westfälischen Krippe, die dort aufgebaut ist, unsere "Lichtzeiten" anbieten. Die dauern 15 Minuten.

Diese Zeit gestalten Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam. Es gibt Texte zum Advent, Kerzen werden angezündet, um zu erleben, dass Licht nicht nur Deko ist! Sondern eine innere Kraft, die uns Halt gibt. Kantoren und Musikschüler sorgen für den musikalischen Rahmen.

Probst Dietmar Röttger

Dietmar Röttger ist Probst der katholischen Patrokli-Gemeinde in Soest. Die Gemeinde bietet erstmals ökumenische Besinnungsminuten an der Westfälischen Krippe im Patrokli-Dom.

WDR: Warum gibt es ein solches Angebot in Soest?

Röttger: Solche Aktionen können neue Gedankenanstöße anbieten und ermutigen einfach neu zu schauen, was steckt denn an tiefem Geheimnis hinter der Weihnachtsbotschaft? Wie können wir im urchristlichen Sinn auf Weihnachten zugehen.  

Man muss sich entscheiden – will ich im Vorweihnachtstrubel "untergehen", oder setze ich dem etwas entgegen. Ich würde mich freuen, wenn Menschen durch dieses Angebot den Kern des Festes wieder neu entdecken und merken: es ist nicht nur Oberfläche und einkaufen.

WDR: Was kann man sonst noch tun, um in der Adventszeit Kommerz und Hektik etwas entgegenzusetzen. Was raten Sie zum Beispiel Familien mit Kindern?

Röttger: Für Familien ist es nicht einfach, in dem ganzen Umfeld den christlichen Weg wieder zu wählen, der ja abwarten heißt. Ich möchte ermutigen, das nicht nur auf Adventskalender und Adventskranz zu beschränken, sondern auch die Geschichten von Jesu zu lesen. Es gibt spezielle Kinderbibeln und andere Möglichkeiten, die uns zeigen, wo der Kern von Weihnachten herkommt.

Zum Beispiel das Singen von Adventsliedern, das bekannteste ist: Wir sagen euch an den lieben Advent. Oder auch Barbarazweige in die Vase stellen, die dann an Weihnachten blühen: Das sind Bilder und Riten, die von dieser Erwartung erzählen, dass etwas aufblüht, dass Leben kommt.

Kinder gehen auf so ein Fest zu wie die Erwachsenen. Wenn ich selber Vorfreude lebe, die sich nicht sofort erfüllt, färbt das auf Kinder ab.  Das zu kultivieren, ist wichtig im Advent!

Das Interview führte Elfie Schader.

Aktion Lichtzeiten im Soester Dom

00:25 Min. Verfügbar bis 03.12.2020

Stand: 03.12.2019, 06:01