Interview: Ermittler gegen Kinderpornografie in Siegen-Wittgenstein

Ermittler gegen Kinderpornografie 04:49 Min. Verfügbar bis 04.01.2022

Interview: Ermittler gegen Kinderpornografie in Siegen-Wittgenstein

Nach den schockierenden Fällen von Lügde, Bergisch Gladbach und Münster hat das NRW-Innenministerium mehr Mittel und Personal zur Verfügung gestellt, um Kinderpornografie zu bekämpfen. Im Interview erzählt uns ein Ermittler von seiner Arbeit.

32 Millionen Euro will das Land 2021 für neue Technik zur Verfügung stellen. Die Zahl der Ermittler wurde auf 400 aufgestockt. Einer dieser Ermittler ist Meik Reichmann von der Polizei in Siegen-Wittgenstein.

WDR: Herr Reichmann, Sie haben sich freiwillig gemeldet, um in der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie zu arbeiten. Warum?

Meik Reichmann: Ich weiß, dass ich einen sehr belastenden Job habe. Aber ich habe mich dazu entschieden, in der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie zu arbeiten, weil ich dadurch Kinder retten kann. Ich kann sie aus Gefahrensituationen befreien und das ist mein Ansporn und der größte Lohn für meine Arbeit.

WDR: Schaffen Sie es, nach der Arbeit abzuschalten und die Bilder nicht mit in den Feierabend zu nehmen?

Reichmann: Ja, das schaffe ich. Wir sind als Polizisten grundsätzlich geschult, mit schwierigen Situationen umzugehen. Das Land NRW bietet zusätzlich eine Supervision für uns an. Außerdem tausche ich mich mit meinen Kollegen aus. Dadurch schaffen wir es, loszulassen. Zu sagen, der Job wäre nicht belastend, ist zwar falsch. Aber wir können damit umgehen. Wenn ich alles mit nach Hause nehmen würde, dürfte ich nicht in der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie arbeiten.

Mitarbeiter in der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie an seinem Arbeitsplatz

„Mein Antrieb? Zu wissen, dass ich Kinder retten kann.“ Meik Reichmann arbeitet in der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie der Polizei Siegen-Wittgenstein.

WDR: Sie kommen aktuell von einer Hausdurchsuchung? Was können Sie uns über den Fall sagen?

Reichmann: Wir haben hier einen sehr typischen Fall. Das ist ein Ermittlungsverfahren, das wir aus einem anderen Verfahren generiert haben. Der Beschuldigte hat mit dem zuvor Beschuldigten Dateien ausgetauscht. Das haben wir zum Anlass genommen, einen Durchsuchungsbeschluss zu beantragen, den wir gerade vollstreckt haben. Die beschlagnahmten Datenträger werden jetzt gespiegelt und von uns gesichtet und dokumentiert.

WDR: Kinderpornografie ist kein Kavaliersdelikt, auch nicht, wenn man Filme ohne sein Wissen zugesendet bekommt, in einer Chatgruppe zum Beispiel?

Reichmann: Ganz genau. Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie ist strafbar. Gerade bei jungen Leuten kommt es vor, dass sie in Chatgruppen mit 600 Mitgliedern sind. Wenn da ein Kinderporno verschickt wird, bewegen sich alle Mitglieder zunächst einmal grundsätzlich in einem strafrechtlich relevanten Bereich und können sich dadurch auch strafbar machen. Ich rate darum jedem, der kinderpornografische Dateien geschickt bekommt, sofort bei der Polizei Anzeige zu erstatten.

Das Interview führte Anke Bösenberg.

Stand: 27.01.2021, 10:02