Münsters Oberbürgermeister Lewe ist Städtetagspräsident

Markus Lewe wird vor einer weißen Wand

Münsters Oberbürgermeister Lewe ist Städtetagspräsident

Wird Oberbürgermeister Markus Lewe durch seine Tätigkeit als Städtetagspräsident weniger Zeit für Münster haben? Die Tätigkeit ist ein Ehrenamt - ohne Aufwandsentschädigung. Etwa einmal im Monat muss Lewe nach Berlin fahren. Wir klären im Interview, welche Folgen das Amt für Münster hat.

Münster Oberbürgermeister Markus Lewe ist seit Montag (01.01.2018) Präsident des Deutschen Städtetags. Bis Juni kommenden Jahres wird es dieses Amt ausführen - und weniger Zeit für Münster haben. Trotzdem glaubt Lewe, dass sein zukünftiges Amt auch Vorteile für Münster bringt.

WDR: Herr Lewe, was ist Ihre Aufgabe als Städtetagspräsident?

Der Präsident des Deutschen Städtetags vertritt die Interessen von über 3.000 Städten in Deutschland. Er ist sozusagen die oberste Lobbyorganisation der deutschen Städte. Das ist ein Ehrenamt und wird durch Oberbürgermeister, die von der Hauptversammlung des Deutschen Städtetags gewählt werden, wahrgenommen. Aufgaben sind also Lobbyarbeit, Forderungen gegenüber dem Bund, aber auch gegenüber Brüssel zu formulieren, mit dem Ziel, dass die Lebensverhältnisse in den Städten besser werden.

Seit 2009 ist Markus Lewe Oberbürgermeister in Münster. Er regiert gemeinsam mit den Grünen im Rat. Der CDU-Politiker wurde Mitte vergangenen Jahres zum Präsidenten des Deutschen Städtetags gewählt. Er ist besonders an der Zusammenarbeit der Städte interessiert - auch über die deutschen Grenzen hinaus. Das neue Amt sieht er als Chance, die Interessen von wachsenden Städten in Berlin zu vertreten.

WDR: Hat das Vorteile für Münster, dass Sie der Präsident sind?

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben mir viel Vertrauen geschenkt, indem sie mich mal gewählt haben, und deshalb kann ich solche Aufgaben auch nur wahrnehmen, wenn es gut für Münster ist. Das ist natürlich eine Herausforderung. Wir hatten Zeit, unser Büro etwas umzuorganisieren. Wir haben außerdem eine hervorragende Verwaltung des Städtetags in Berlin. Und ich glaube schon, dass sich für Münster die Türen durchaus weiter öffnen, schneller öffnen und auch mal der ein oder andere Multiplikator in unsere Stadt kommt und auch die mediale Präsenz durchaus neben Tatort und Wilsberg intensiviert wird.

WDR: Haben Sie Beispiele für mögliche Vorteile?

Es gibt eine ganze Reihe von Herausforderungen, die deutsche Städte haben, die sich auch in unserer Stadt widerspiegeln. Die Frage, wie wir mit bezahlbarem Wohnraum umgehen. Wir können uns nicht vorstellen, warum man zu Höchstpreisen Bundesgrundstücke veräußert, wenn man gleichzeitig eine hohe städtebauliche Qualität einfordert. Hier gibt es klare Forderungen, die BImA-Gesetze zu verändern. (BImA=Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Red. Die BImA veräußert etwa die ehemaligen Kasernengelände in Münster zu sehr hohen Preisen.) Weitere Themen sind: Wie wir mit der Integration geflüchteter Menschen umgehen. Wie gehen wir mit Digitalisierung um? Da gilt es einmal, sich als Städte zu vernetzen, aber zum anderen auch, klare Forderungen zu stellen.

WDR: Gauben Sie, das werden anstrengende anderthalb Jahre?

Es ist kein Wellness-Job, aber es ist ein Job, der mit dazu beiträgt, dass die Rolle der Städte und auch der Blickwinkel für die Städte erhalten bleibt und ausgebaut wird. Und es muss klar sein, dass die großen Herausforderungen, die wir haben, wie etwa der Zusammenhalt, die Zukunftsfähigkeit unserer Städte, das sind letztlich auch die Herausforderungen, die die Zukunftsfähigkeit eines ganzen Landes ausmachen. Und das muss man immer wieder auch der Politik in Berlin oder Brüssel klarmachen.

Das Interview führte Katja Bothe

Stand: 10.01.2018, 16:40