Interview: Leben als Kleinwüchsiger

Leben als Kleinwüchsiger 05:41 Min. Verfügbar bis 26.10.2022

Interview: Leben als Kleinwüchsiger

Von Elli Konstantinidis

"Ich bin mehr als nur meine Körpergröße", das sagt Olaf Knoth. Der Attendorner ist einer von 100.000 Kleinwüchsigen in Deutschland. Im WDR-Interview erzählt er über sein Leben.

Olaf Knoth ist 1,38 Meter groß - und noch heute erlebt der 51-jährige Attendorner Momente, in denen Menschen ihn anstarren, hinter seinem Rücken über ihn reden. Sich daran zu gewöhnen war ein langer Prozess. Doch es gibt eines, an das sich Olaf Knoth nicht gewöhnen will - die Namen, die die Menschen ihm dann geben.

WDR: Wie möchten Sie nicht genannt werden?

Olaf Knoth: Liliputaner, Zwerg oder Abgebrochener. Das sind so Begriffe, die ich überhaupt nicht mag. Ich bin kleinwüchsig und so möchte ich auch genannt werden. Man ist kein Exot, man ist ein Mensch wie jeder andere auch, halt nur ein paar Zentimeter kleiner.

WDR: Was verbinden Sie mit dem Begriff "klein"?

Mann

Knoth: Klein ist immer ein negatives Adjektiv. In fast allen Beziehungen ist es negativ - außer im Preis. Aber das ist auch leider die einzig positive Assoziation. Eine kleine Größe ist nie etwas, das man anstrebt. Das wird uns schon im Kindesalter beigebracht. Ein Satz, der immer fällt: "Du musst den Teller aufessen, damit du groß und stark wirst."

OIaf Knoth

Olaf Knoth aus Attendorn ist 51 Jahre alt und misst 1,38 Meter. Er ist einer von 100.000 Kleinwüchsigen in Deutschland. Als Kind wächst er noch ohne Sorgen auf - stößt im Laufe der Pubertät aber immer mehr an seine Grenzen. Er merkt, dass ihn die Kleinwüchsigkeit vor Herausforderungen stellt.

WDR: Welche Bedeutung hat Größe für Sie? 

Knoth: Größe sind zwei Sachen. Einmal die in Zentimeter gemessene, die bedeutet eigentlich nicht viel für mich. Und dann ist da noch die Größe im Kopf. Da muss man Größe haben, die sollte man für sich haben.

WDR: Wie verlief Ihre Kindheit, Ihre Jugend? 

Baby

Knoth: Meine Kindheit verlief eigentlich unproblematisch, ich war eher unbekümmert. Bis zu einem gewissen Alter war die Größe nicht wichtig. Aber als Jugendlicher dann schon. Das Aussehen, die Größe standen auf einmal stark im Fokus.

In dieser Zeit habe ich zuerst auch versucht, dem Idealbild zu entsprechen, um zum Beispiel bei der Partnerwahl mitmischen zu können. Aber dann habe ich gemerkt, dass das eigentlich unmöglich ist und bin dann meinen eigenen Weg gegangen. Den Weg nach vorne.  

WDR: Was genau meinen Sie damit?

Knoth: Wenn man offensiv mit etwas umgeht, dann nimmt man jedem den Wind aus den Segeln, Angriffspunkte zu finden. Ich habe gelernt, mich zu akzeptieren, zu respektieren. Ich brauche keinem Idealbild hinterherzulaufen. Ich bin ich und muss mich so nehmen, wie ich bin. 

WDR: Welche Hürden gibt es im Alltag? 

Mann im Supermarkt

Knoth: Es gibt überall Hürden. Einkaufswagen, Supermarktregale, Ticketschalter und viele mehr. Ich gehe aber offensiv mit diesem Thema um. Für mich sind es keine konkreten Probleme, sondern ich sehe es eher als Herausforderung.

Es gibt immer einen Weg, wie ich eine Hürde überwinden kann. Da spielt die Größe keine Rolle. Es kommt immer nur darauf an, wie man die Situation, in der man sich gerade befindet, sieht und wie man damit umgeht.

WDR: Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft?

Knoth: Die Gesellschaft sollte nicht auf Oberflächlichkeiten achten, sondern einfach die Leute so nehmen, wie sie sind. Egal ob einer groß, dick, dünn ist - diese Merkmale sollten nie im Vordergrund stehen. Wichtig ist der Charakter, der Geist - das sollte die Gesellschaft endlich mal akzeptieren.

Das Interview führte Elli Konstantinidis.

Stand: 27.10.2021, 07:00