Unheilbar krank - Leben mit Endometriose  

Leben mit Endometriose 02:34 Min. Verfügbar bis 20.05.2021

Unheilbar krank - Leben mit Endometriose  

Endometriose ist eine chronische, schmerzhafte Krankheit, die oft unentdeckt bleibt. Die Symptome: starke Bauch- und Rückenschmerzen während der Periode. Ein Interview mit Julia Keggenhoff aus Sundern, die seit 15 Jahren erkrankt ist.

Die Ursache für die Krankheit sind Wucherungen im Unterleib. Diese ähneln dem Gewebe der Gebärmutterschleimhaut. Während der Periode können sie wachsen und bluten.

Das Tückische - die Wucherungen können Organe befallen und zu bleibenden Schäden führen, im schlimmsten Fall sogar zur Unfruchtbarkeit. Die Krankheit ist unheilbar.

WDR: Frau Keggenhoff, wie würden Sie Endometriose beschreiben? 

Julia Keggenhoff: Endometriose macht auf jeden Fall hilflos. Die Schmerzen sind teilweise unerträglich. Am schlimmsten ist das Gefühl, nicht zu wissen, was in deinem Körper passiert, denn Endometriose ist von außen nicht sichtbar. Die Wucherungen können sich schleichend in deinem Körper ausbreiten. Ein schreckliches Gefühl. 

WDR: Wie hat sich die Krankheit bei Ihnen bemerkbar gemacht? 

Keggenhoff: Das Ganze hat mit der Pubertät angefangen, vielmehr nach der ersten Periode. Da war ich 16 Jahre alt. Ich hatte immer starke Schmerzen während der Periode. Ich habe gelernt, oder mein Umfeld hat mir beigebracht, das ist völlig normal. Periode zu haben, bedeutet Schmerzen zu haben. Irgendwann, fängt man an das zu akzeptieren. Ein, zwei Jahre später wurde ich jedoch von den Schmerzen ohnmächtig. 

WDR: Was haben Sie dann gemacht?

Keggenhoff: Ich habe versucht, Antworten zu finden - habe mehrere Ärzte aufgesucht. Doch am Ende wurde ich immer mit den gleichen Sprüchen abgefertigt:  "Stell dich nicht so an", "Das muss so sein" und "Regelschmerzen sind normal". Es war ein Teufelskreis. Ich fühlte mich allein gelassen. Habe versucht, allein mit dieser Situation klar zu kommen. 

Endometriose

Julia Keggenhoff (31) aus Sundern leidet seit ihrem 16. Lebensjahr an Endometriose. Seitdem gehören starke Schmerzen und Krämpfe während der Periode zu ihrem Alltag. Julia Keggenhoff hat gelernt mit Endometriose zu leben. Dabei hat ihr ein offener Umgang mit der Krankheit geholfen. Mit ihrer Geschichte möchte sie anderen Frauen und Mädchen Mut machen.

WDR: Wann haben Sie die Diagnose "Endometriose" erhalten? 

Keggenhoff: Das hat acht Jahre gedauert. Es war ein langer, steiniger Weg, doch es hat sich gelohnt. Nun weiß ich endlich, woher die Schmerzen kommen. Auch wenn es komisch klingt - ich war erleichtert endlich zu wissen, was mich all die Jahre gequält hat. 

WDR: Wie hat Ihr Umfeld auf die Diagnose reagiert?

Keggenhoff: In der Familie war es absolutes Neuland. Es kannte keiner. Eine Freundin hat mir sogar gesagt - "Diese Krankheit“ gibt es nicht". Immer wieder kam die Frage "Endo-was?" Das ist mühsam und zerrt an deinen Kräften.

WDR: Was passierte nach der Diagnose?

Keggenhoff: Insgesamt wurde ich in den vergangenen Jahren 3 Mal operiert. Denn das Problem ist - bestehende Endometrioseherde können nur in einer Operation entfernt werden.  Nach meiner dritten Operation hatte die Endometriose stark gewuchert und immer mehr Bereiche befallen hat. Das war ein Schock. Durch die Wucherungen ist zum Beispiel der Darm an der Beckenwand festgewachsen. Das hat enorme Hüftschmerzen verursacht. 

WDR: Ist ein Leben mit Endometriose möglich? 

Keggenhoff: Ein Leben mit Endometriose ist definitiv möglich. Man muss lernen auf sich und seinen Körper zu hören, sich selber zu akzeptieren und sich in den Vordergrund zu stellen. Das ist ganz, ganz wichtig. Man muss es nicht allen recht machen. Man muss es weder auf der Arbeit noch in der Familie jemandem Recht machen. 

WDR: Was möchten Sie mit ihrer Geschichte bewirken? 

Keggenhoff: Ich möchte Frauen, Mädchen dazu ermutigen, offen über ihre Schmerzen zu sprechen, sie Ernst zu nehmen. Gerade auch wenn man Mutter ist und Töchter hat, die gerade in die Pubertät kommen und von Schmerzen sprechen - bitte nehmt sie ernst. Geht mit ihnen zum Arzt oder auch zu zwei oder drei Ärzten. Lasst das Ganze abklären und vor allen Dingen hört Ihnen zu und nehmt sie ernst - das ist am wichtigsten.

Das Interview führte Elli Konstantinidis.

Stand: 20.05.2020, 08:43