Richtiger Schutz gegen Einbruch: Interview mit Polizei-Experten

Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen an einer Tür

Richtiger Schutz gegen Einbruch: Interview mit Polizei-Experten

Von Elli Konstantinidis

Wie man sich vor Einbrechern schützen kann, darüber informiert die Polizei zum "Tag des Einbruchschutzes" am Sonntag. Im WDR-Interview gibt ein Polizist Tipps.

Die dunkle Jahreszeit - oftmals eine Einladung für Langfinger. Um sinnvollen Einbruchsschutz zu betreiben, gilt es die Schwachstellen zu erkennen. Nachweislich misslingen über ein Drittel der Einbrüche durch vorhandene Sicherungseinrichtungen und eine aufmerksame Nachbarschaft. Dies zeigt: Einbruchschutz lohnt sich! Dabei gibt die Polizei Unterstützung.

Kriminalhauptkommissar Michael Meinerzhagen von der Kreispolizeibehörde Olpe beschäftigt sich seit mehr als 14 Jahren mit den Themen Einbruchskriminalität und Kriminalprävention. Im WDR-Interview gibt er Infos, wie man sich und sein Eigentum schützen kann.

WDR: Worauf muss man beim Einbruchschutz achten?

Polizist Michael Meinerzhagen lächelt in die Kamera, im Hintergrund der Schriftzug der Polizei Olpe mit Logo

Michael Meinerzhagen

Michael Meinerzhagen: Beim Einbruchschutz sollte man zunächst darauf achten, beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung alle Fenster und Türen zu verschließen. Gekippte Fenster sind offene Fenster, und die Haustür sollte abgeschlossen werden. Außerdem ist es wichtig, den Anschein zu erwecken, dass jemand zu Hause ist. Das kann zum Beispiel durch eingeschaltetes Licht oder ein eingeschaltetes Radio erreicht werden.

Michael Meinerzhagen

Kriminalhauptkommissar Michael Meinerzhagen ist seit 1997 bei der Kriminalpolizei tätig. Zwölf Jahre lang war er im Bereich Einbruchskriminalität beschäftigt. Seit zwei Jahren arbeitet er nun beim Kriminalkommissariat Opferschutz / Kriminalprävention in der Kreispolizeibehörde Olpe und berät die Bürgerinnen und Bürger unter anderem zum Thema Einbruchschutz.

WDR: Welche Schwachstellen gibt es aus Ihrer Sicht?

Meinerzhagen: Unserer Erfahrung nach ist bei acht von zehn Fenstern keine Sicherheitstechnik vorhanden, und es gelingt den Einbrechern, innerhalb sehr kurzer Zeit durch solche Fenster in das Wohnobjekt einzudringen. Wir gehen davon aus, dass es vielen Einbrechern gelingt, deutlich unter einer Minute ein Fenster aufzuhebeln.

WDR: Welche Fehler gibt es beim Einbruchschutz?

Meinerzhagen: Bewohner:innen sollten beim Einbau von Sicherheitstechnik darauf achten, dass die Produkte zertifiziert sind. Dass bedeutet, dass diese gegen Gewalteinwirkung geprüft sind und damit eine bestimmte Mindestwiderstandszeit je nach Ausführung haben. Der Griff zu günstigen und dann eben auch nicht zertifizierten Schutzmaßnahmen kann oft nach hinten losgehen.

WDR: Aus Ihrer Erfahrung in der Prävention - gibt es einen Unterschied gerade zwischen Einbrüchen in der Stadt und auf dem Land?

Meinerzhagen: Die Art und Weise, wie Einbrecher in ein Objekt eindringen, ist individuell unterschiedlich. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist aber eindeutig die Anonymität. So schafft die Anonymität Tatgelegenheit. Dem wirkt eine gute Nachbarschaft und Aufmerksamkeit entgegen.

WDR: In Corona-Zeiten gab es deutlich weniger Einbrüche. Wie sieht es heute aus?

Meinerzhagen: Viele Bürgerinnen und Bürger haben in der Corona-Zeit die meiste Zeit in ihrer Wohnung verbracht. Durch die Anwesenheit zu Hause sind die Einbrüche stark zurückgegangen. Das dürfte sich wieder ändern, wenn wieder außer Haus gearbeitet wird. Im Hinblick auf die dunkle Jahreszeit rechnen wir wieder mit einem Anstieg der Einbruchszahlen.

WDR: Wie gehen die meisten Einbrecher vor? Gibt es da Strategien? Oder ist es oft eine spontane Vorgehensweise?

Das Bild zeigt einen Einbrecher am Fenster.

So leicht darf man es Einbrechern nicht machen

Meinerzhagen: Die meisten Einbrecher wissen genau, wie sie mit einem Schraubenzieher ein Fenster oder eine Terrassentür innerhalb kürzester Zeit aufhebeln können. Funktioniert das nicht, werden auch die Glasscheiben angegriffen. Die Wohnobjekte werden meist spontan ausgesucht. Wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass niemand zu Hause und der potentielle Einbrecher unbeobachtet ist, wird oft ein Fenster an der Rückseite des Hauses aufgebrochen.

WDR: Welche Fördermaßnahmen für den Einbruchschutz gibt es?

Meinerzhagen: Die KfW-Bank hat einige Programme, in denen der Einbau von Sicherheitstechnik vom Staat unterstützt wird. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird der Einbau von einbruchhemmenden Fenstern und Türen oder Nachrüsttechnik gefördert.

WDR: Bietet die Polizei eine Beratung zum Einbruchschutz an?

Meinerzhagen: Ja. Die kostenlosen und neutralen Beratungen können sowohl beim Bürger am Wohnobjekt stattfinden oder im Beratungsraum der Polizei Olpe. Termine können gerne bei mir vereinbart werden.

Das Interview führte Elli Konstantinidis.

Stand: 29.10.2021, 06:00