Streiken für den Klimaschutz

Wie geht eigentlich "Demo"?: Porträt einer Aktivistin Lokalzeit Münsterland 28.02.2019 03:14 Min. Verfügbar bis 28.02.2020 WDR Von Antje Kley

Streiken für den Klimaschutz

Am Freitag (01.03.2019) ist der dritte große Klimaschutz-Streik von Schülerinnen und Schülern in Münster. Er findet wieder während des Unterrichts statt, um 10 Uhr. Im Interview haben wir Carla Reemtsma nach den Vorbereitungen befragt. Sie ist eine der Organisatorinnen.

WDR: Carla, das ist jetzt die dritte große Demo, die ja jeden ersten Freitag im Monat stattfindet. Erst waren es 800, dann 2000 Protestierende. Jetzt rechnet ihr mit noch mehr. Ist das stressig, das zu organisieren?

Carla Reemtsma: Schon. Also ich organisiere hin und wieder auch so Sachen überregional mit und das ist halt super viel. Da passiert so viel auf einmal und das geht alles so schnell, weil es über soziale Medien wie WhatsApp geht. Ich hab den Vorteil, ich studiere jetzt schon, und ich hab manche Sachen schon gemacht, schon mal mit Politikern telefoniert, Plakate organisiert und so, - aber das ist schon viel.

WDR: Die ganze Aufmerksamkeit auch um Sie – wie ist das?

Reemtsma: Seltsam. Ungewohnt, weil man sich auch fragt: Wo kommt das jetzt her? Geht es jetzt nur um eine einzige Person oder um alle? Wir haben auch Probleme mit Hass im Netz und so, dass man sagt: okay, ist das alles richtig? Irgendwie stehen aber so viele hinter dem Protest – ja, das ist irgendwie verrückt.

Carla Reemtsma ist 20 Jahre alt, sie studiert in Münster Politik und Wirtschaft, kommt ins 6. Semester. Sie ist eine derjenigen, die von Anfang an in Münster die Schüler- und Studentendemos "Fridays for Future" für einen besseren Klimaschutz mitorganisiert haben. Die Demonstraten fordern ein konsequentes Handeln der Politik, um den Klimawandel zu stoppen und den Kohleausstieg zu beschleunigen. Carla Reemtsma ist nicht direkt verwandt mit dem Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma.

WDR: Geht Ihr Privatleben dabei drauf?

Reemtsma: Schon. Also ich mach grad viel, es sind gerade zum Glück Semesterferien. Denn man sitzt schon ein paar Stunden am Tag und schreibt Mails und WhatsApp-Nachrichten. Das ist ultra zeitfressend.

Schüler demonstrieren

In vielen Städten demonstrieren Schülerinnen und Schüler freitags für den Klimaschutz

Ich war jetzt öfter in Berlin, um Sachen zu organisieren – wir hatten da ja auch einen großen Streik – das sind so Tage, da hätte ich sonst was anderes gemacht. Aber zum Sport geh ich auf jeden Fall hin. Aber ich merke auch bei anderen, die noch mehr in die Orga eingebunden sind: Die machen ihr eigenes Hobby nicht mehr oder Klausuren leiden drunter. Das ist schon krass.

WDR: Die Diskussion um das Schulschwänzen ist ja gerade ein Riesenthema, die Bildungsministerin von NRW hat sich kürzlich noch mal dazu geäußert. Wie empfinden Sie das?

Plakat, worauf steht "Klimawandel geht alle an - meine Fehlstunden nur mich

Die Schüler ärgern sich über die "Schulschwänzer-Diuskussion"

Reemtsma: Ich finds halt total Schade, dass diese Diskussion so im Mittelpunkt steht, weil es von unseren Forderungen ablenkt. Uns geht es darum, dass eine zukünftige Klimapolitik betrieben werden soll und diese Aufmerksamkeit, die wir jetzt haben, haben wir nur dadurch erreicht, dass wir während der Schulzeit streiken. Und deswegen ist es total schade, dass gerade in NRW fast nur die Sache mit dem Schulstreik diskutiert wird und sehr wenig unser Kernanliegen.

WDR: Wie wollt ihr verhindern, dass sich die Proteste nicht totlaufen?

Reemtsma:Ich glaube, es ist total wichtig, dass wir uns Strukturen schaffen. Wir werden nicht die nächsten drei Jahre jeden Freitag streiken. Wir brauchen konkrete Forderungen, hinter die sich jeder stellen kann, die aber abstrakt genug sind – also nicht so was wie: Tempolimit 130 oder mehr E-Autos. Und dann müssen wir überlegen: Streiken wir vielleicht alle drei Monate und dann ganz riesig oder machen wir Samstagsdemonstrationen oder Kreide-Aktionen, bei denen wir die Straßen bunt malen oder so.

Das Interview führte Antje Kley

Stand: 28.02.2019, 20:00