Cannabis auf Rezept: Die schwierige Arzt-Suche

Rauchen eins Joints

Cannabis auf Rezept: Die schwierige Arzt-Suche

Seit 2017 gibt es Cannabis auf Rezept für Schmerzpatienten. Trotzdem ist die Suche nach Ärzten schwer. Eine Betroffene berichtet im Interview mit uns davon.

Cannabis ist Droge und Heilmittel zugleich. Ärzte in Deutschland dürfen Cannabis seit 2017 auf Rezept verordnen, Patienten dürfen es legal konsumieren. Das ist ein Hoffnungsschimmer für schwerkranke Menschen, denn der Medizinalhanf hilft unter anderem gegen Schmerzen und Spastiken.

Trotzdem ist es in Deutschland schwer, Ärzte zu finden, die Cannabis verschreiben. Stefanie (Name von der Redaktion geändert) ist 43 Jahre alt. Sie leidet an Multipler Sklerose und konsumiert Cannabis. Wir haben sie zum Interview getroffen.

WDR: Warum konsumieren Sie Cannabis als Medikament?

MS-Kranke läuft mit Gehhilfe, Sicht auf die Beine

Stefanie möchte anonym bleiben

Stefanie: "Ich war in einer Klinik für Multiple Sklerose und habe andere Patienten kennen gelernt. Viele von ihnen hatten mit Cannabis gute Erfahrungen gemacht. Ich habe seit über 20 Jahren MS und habe jeden Tag einen Medikamenten-Cocktail geschluckt mit einem Rattenschwanz von Nebenwirkungen. Cannabis hat keine Nebenwirkungen. Also habe ich einen Arzt gesucht, der mir Cannabis legal verschreibt. Cannabis hilft mir gegen die Schmerzen und gegen die Spastiken."

WDR: Diesen Arzt haben Sie problemlos gefunden?

Stefanie: "Ich hatte Glück. Mein Arzt kennt mich und meine Krankengeschichte seit Jahren. Ich bin seine einzige Cannabis-Patientin. Er möchte auf keinen Fall, dass in der Öffentlichkeit bekannt wird, dass er mir mein Rezept gibt."

Stefanie (Name von der Redaktion geändert) ist 43 Jahre alt. Sie leidet seit 20 Jahren an Multipler Sklerose und konsumiert seit der Freigabe als Medizin Cannabis. Seitdem geht es ihr besser, sagt sie.

WDR: Es ist doch legal. Trotzdem haben Ärzte ein Problem damit?

 Legalisierung Cannabis

Cannabis darf seit 2017 verschrieben werden

Stefanie: "Ich kenne viele Fälle, in denen die Ärzte sich weigern, Cannabis zu verschreiben. Das Image von Cannabis ist in Deutschland immer noch schlecht. Cannabis wird nur als Droge wahrgenommen. In den Augen der Öffentlichkeit sind wir Kiffer. Die Ärzte haben Angst, als Kifferärzte abgestempelt zu werden. Außerdem müssen unzählige Anträge ausgefüllt und Gutachten in Auftrag gegeben werden, bis die Krankenkasse grünes Licht gibt."

WDR: Macht Sie das wütend?

Stefanie: "Mich macht das sehr wütend. Ich bin krank, bekomme Chemotherapie. Da muss kein Medizinischer Dienst vorbeikommen und begutachten, ob ich die Chemo bekommen darf oder nicht. Der Arzt schreibt es einfach auf und ich gehe zur Chemo. Warum ist das bei Cannabis nicht so?"

WDR: Was muss also passieren?

Stefanie: "Das Prozedere muss vereinfacht werden. Es braucht keinen Medizinischen Dienst zur Begutachtung. Wenn der Arzt es verschreibt, muss es in Ordnung sein. Und es muss gewährleistet sein, dass die Apotheken mir mein Cannabis liefern können. Oft gibt es Lieferengpässe, da die Apotheken im Ausland ordern. In Deutschland ist die Cannabis-Agentur erst im Aufbau."

Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Kein Cannabis für Multiple-Sklerose-Kranke [korrigierte Fassung] Lokalzeit Südwestfalen 21.06.2019 06:08 Min. Verfügbar bis 21.06.2020 WDR Von Katja Brinkhoff

Stand: 21.06.2019, 12:48

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Axel Junker 21.06.2019, 19:18 Uhr

    Seit Jahren dokumentiert das Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin, SCM, wiederkehrende, oftmals monatelange Lieferausfälle von Medizinal-Cannabis. Die vom BfArM im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit betriebene "Cannabismedizin-Politik" besteht im Grunde aus einem schnell zusammengeschusterten Werk aus etlichen Unzulänglichkeiten. Es dient im Wesentlichen der Abwehr von sog. "Cannabis-Eigenanbaugenehmigungen", welche zwei Patienten in langwieriger Prozessiererei bereits gegen das BfArM erwirkt hatten, bevor im März das "Cannabis als Medizin-Gesetz" wirksam wurde. "In Teilen unwirksam" soll nicht unerwähnt bleiben.

  • 3 Gamma-Jet 21.06.2019, 16:53 Uhr

    Hanf: Die Herangehensweise ist sehr bedenklich. Warum lassen viele Politiker die Tatsache außer acht, dass die Legalisierung/Entkriminalisierung tatsächlich helfen kann, zB. beim Jugendschutz - erheblich mehr als jetzt, denn Cannabis ist an vielen "Ecken" zu bekomen, Verbote locken ! Die Schmerzpatienten, viele müssen sich selber versorgen, da regelmäßig kein Med.Cannabis verfügbar ist ! Allerdings der Schwarzmarkt wird milliardenhoch abgeschöpft ! Möglicherweise ist dem Pharma- und der Alkoholindustrie ein Dorn im Auge ! Nur aus meiner Sicht

  • 2 D.B.Cooper 21.06.2019, 15:48 Uhr

    Tja, in Deutschland diktiert die Pharmalobby den Marionetten in Berlin - und das bedeuted kein Cannabis, statt dessen überteuerten syntehtischen Mist. Nicht die Vernunft regiert, sondern Interessenverbände ;-)

  • 1 Ralf Binder 21.06.2019, 15:48 Uhr

    Allein zur Entlastung der Polizei bin ich für die völlige Freigabe nach dem Vorbild von 10 Bundesstaaten der USA (Quelle: Wikipedia). Man könnte noch holländisch lernen und umziehen. Für die „schwierige Arzt-Suche“ fehlt mir aber wirklich jedes Verständnis.