Computersucht: verzweifelte Eltern in Olper Selbsthilfegruppe

Spielsucht besorgt Eltern 03:18 Min. Verfügbar bis 28.01.2022

Computersucht: verzweifelte Eltern in Olper Selbsthilfegruppe

Von Katja Brinkhoff

Im Kreis Olpe gibt es seit kurzem die erste Selbsthilfegruppe für "Computerspiel- und Internetsüchtige". Die Organisatoren – ehemals Spielsüchtige und das DRK – werden überschwemmt von Anfragen. Vor allem verzweifelte Eltern bitten um Hilfe. Ihre Kinder gehen nicht mehr zur Schule oder brechen die Ausbildung ab, weil der Computer ihren Tagesablauf bestimmt. Stefan S. (Name von der Redaktion geändert) hat einen erwachsenen Sohn, der seit Jahren computerspielsüchtig ist.

WDR: Wie wichtig ist es für Sie, endlich einen Ansprechpartner zum Thema "Spielsucht" zu haben?

Mann sitzt auf einem Sofa.

Stefan S. möchte unerkannt bleiben

Stefan S.: Meine Frau und ich haben jahrelang geglaubt, alleine mit unseren Problemen zu sein und nirgendwo Hilfe zu bekommen. Wo man auch anklopfte, keiner konnte helfen bei dieser neuen Sucht. Wir waren bei Ärzten, in Kliniken, bei Therapeuten. Jetzt wissen wir, dass es auch andere Betroffene gibt und dass wir hier auf Hilfe hoffen können.

WDR: Können Sie beschreiben, wie sich gefühlt haben, weil niemand helfen konnte?

S.: Hilflos, machtlos, allein gelassen.

Selbsthilfegruppe für Computerspiel- und Internetsüchtige

Kontaktdaten für Betroffene: 144herz@gmx.de; Selbsthilfekontaktstelle des DRK, Kreisverband Olpe, Löherweg 9, 57462 Olpe, Petra Weinbrenner-Dorf, Tel.: 02761-2643.

WDR: Wie erleben Sie die Spielsucht Ihres Sohnes?

Kind sitzt vor dem Computer und spielt Computerspiele.

S.: Zur Zeit können wir nur vermuten. Unser Sohn hat sich seit Wochen nicht gemeldet. Er kennt keinen Tagesablauf mehr. Wir wissen, dass er nicht zur Arbeit geht, weil er verschläft. Er zockt bis früh in den Morgen. Er hat kaum noch soziale Kontakte und kapselt sich ab.

WDR: Was bedeutet das für Sie als Eltern?

S.: Das ist sehr schwierig, wenn man sieht wie das eigene Kind aus dem Ruder läuft. Wir haben keinen normalen Alltag mehr. Sie wachen morgens auf und denken sofort an diese Sucht und alles das, was sie mit sich bringt.

WDR: Haben Sie versucht, mit ihrem Sohn zu reden?

S.: Natürlich. Oft. Er sagt, er hat das alles unter Kontrolle. Er würde nicht viel spielen, nur zwei bis drei Stunden am Tag.

WDR: Mit wem können Sie darüber reden?

S.: Wir sprechen nicht mit Bekannten oder Freunden darüber. Vielleicht ist da auch so etwas wie Scham. Die können das nicht einordnen, weil sie das nicht kennen. Da bekommen sie dann nur gute Ratschläge nach dem Motto "Wenn das mein Kind wäre...".

WDR: Was erhoffen Sie sich von der Selbsthilfegruppe?

S: Das ist wirklich ein Hoffnungsschimmer. Da sind Menschen, die das auch alles kennen. Für uns bedeutet das endlich Hilfe. Ich hoffe, dass mein Sohn irgendwann wieder im Leben steht, seinen Rhythmus findet, wieder zur Arbeit geht, von der Sucht loskommt.“


Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 28.01.2021, 08:18