Angepöbelt und bespuckt: Angriffe auf Rettungskräfte

Angepöbelt und bespuckt: Angriffe auf Rettungskräfte

Die Zahl der Übergriffe auf Rettungskräfte steigt. Philipp Lauterbach und Marvin Steuhl sind in der Freiwilligen Feuerwehr Siegen-Hain. Beide wurden während eines Einsatzes beschimpft und bespuckt. Im Interview berichten sie darüber.

WDR: In welcher Situation ist es zu dem Übergriff gekommen?

Gewalt gegen Rettungskräfte

Feuerwehrmann Philipp Lauterbach

Philipp Lauterbach: Wir wurden gegen Mitternacht zu einem Brand in einem Garten gerufen. Dort brannte ein Holzsichtschutz, eigentlich nichts Aufregendes. Sowas ist normalerweise innerhalb von wenigen Minuten gelöscht. Aber noch während wir unsere Schläuche verlegten, fingen drei Männer auf dem Balkon eines Nachbarhauses an, uns anzupöbeln. "Haut ab!" und "macht leiser!" waren die harmlosen Rufe, die Beleidigungen möchte ich nicht wiederholen.

Marvin Steuhl: Kurz darauf begannen die Männer uns vom Balkon aus zu bespucken. Der Sichtschutz war quasi direkt unter ihrem Balkon in der dritten Etage. Wir wurden also sofort von ihrem Speichel getroffen. Das war ziemlich ekelhaft.

WDR: Was haben Sie in dieser Situation gemacht?

Lauterbach: Zunächst natürlich erstmal das Feuer gelöscht. Aber als die Männer Anstalten machten uns mit Gegenständen zu bewerfen, wollten wir uns schon etwas zurückziehen. Aber dann hat eine anwesende Streifenwagenbesatzung eingegriffen. Die beiden Polizisten hatten sich schon auf den Weg nach oben gemacht, als die Männer uns bespuckten.

Gewalt gegen Rettungskräfte

Feuerwehrmann Marvin Steuhl

Steuhl: Aber die Männer haben wohl erheblichen Widerstand geleistet, am Ende waren mehrere Streifenwagenbesatzungen in der Wohnung, um die drei ruhigzustellen. Wir haben jedenfalls direkt nach dem Einsatz Anzeige gegen die drei gestellt. Angriffe auf Menschen, die in ihrer Freizeit, mitten in der Nacht zu Hilfe eilen, sowas geht gar nicht. Die haben einfach keinen Respekt vor anderen Menschen.

WDR: Fahren Sie seitdem mit einem mulmigen Gefühl in Einsätze?

Lauterbach: Anfangs habe ich auf der Fahrt zu Einsatz schon gedacht "hoffentlich passiert es nicht wieder", aber sobald ich vor Ort bin, konzentriere ich mich auf den Einsatz. Dann tauche ich quasi ab in die Feuerwehrwelt und da bleibt keine Zeit, sich um andere Dinge Gedanken zu machen. Das war bei dem Angriff auf uns ja genauso. Ich hatte kurz gedacht: "Ach, jetzt passiert es dir auch, wovon andere schon mal erzählt haben." Doch dann haben wir uns wieder aufs Feuer fokussiert. Erst als die Männer Gegenstände werfen wollten, haben wir das wahrgenommen und uns, wie in anderen Gefahrsituationen, auf die Eigensicherung konzentriert und wollten uns zurückziehen.

Der 23-jährige Philipp Lauterbach ist in der Freiwilligen Feuerwehr Siegen-Hain. Mit 10 Jahren hat er bei der Jugendfeuerwehr angefangen. Marvin Steuhl ist mit 16 Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Er ist 29 Jahre alt und in der Freiwilligen Feuerwehr Siegen-Hain aktiv.

WDR: Was ist nach der Anzeige passiert?

Steuhl: Die drei Männer sind tatsächlich vor Gericht gelandet und es gibt ein Urteil. Alle drei wurden zu einer Geldstrafe verurteilt. Allerdings haben sie Widerspruch eingelegt, sodass es noch nicht rechtskräftig ist. Für mich zeigt das, dass sie nach wie vor kein wirkliches Unrechtsbewusstsein haben. Das ärgert mich.

Gewalt gegen Rettungskräfte

Lauterbach: Ich will an dieser Stelle das Urteil gar nicht in Frage stellen, das ist nach unseren Gesetzen alles völlig in Ordnung. Aber wenn ich nach meinem "Wunschurteil" gefragt würde, würde ich vorschlagen, dass die drei einfach mal für ein Wochenende ins Gefängnis gehen sollten. Dann hätten sie vielleicht Zeit, um über ihre Tat nachzudenken. Eine Geldstrafe wirkt möglicherweise nicht so abschreckend.

WDR: Haben Sie nach dem Angriff auf Sie eigentlich darüber nachgedacht, aus der Feuerwehr auszutreten?

Lauterbach und Steuhl: Nein.

Das Interview führte Frank Strohdiek

Stand: 02.04.2019, 13:28