Interview: Lüdenscheids Bürgermeister zu A45 Brückensperrung

Interview: Bürgermeister Sebastian Wagemeyer 03:01 Min. Verfügbar bis 10.12.2022

Interview: Lüdenscheids Bürgermeister zu A45 Brückensperrung

Die Rahmedetalbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid wird noch für mindestens drei Monate für PKW gesperrt bleiben - LKW dürfen nie wieder darüber fahren. Das sorgt für Verkehrschaos in Lüdenscheid. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer erzählt im Interview, was das für die Stadt bedeutet.

Normalerweise fahren über die jetzt gesperrte Rahmedetalbrücke bis zu 65.000 Fahrzeuge pro Tag. Ein Großteil davon quält sich nun durch die Lüdenscheider Innenstadt - inklusive LKW. Statiker:innen haben die Brücke in der vergangenen Woche genau geprüft und festgestellt, dass sie neu gebaut werden muss.

Die Autobahn Westfalen GmbH hofft auf eine beschleunigte Bauzeit von 5 Jahren. Das belastet die Stadt Lüdenscheid.

WDR: Herr Wagemeyer, schlafen Sie überhaupt noch?

Stau auf der A45 bei Lüdenscheid

Sebastian Wagemeyer: Wir haben tatsächlich die letzten Tage noch bis tief in die Abendstunden intensiv beraten, weil das eine Situation ist, die so auf Dauer für Lüdenscheid nicht hinnehmbar ist. Ich will das mal ganz deutlich sagen: Wir bewegen uns in einem großen Spannungsfeld.

Auf der einen Seite erleben wir die Durchtrennung einer Lebensader für eine der wichtigsten Industrieregionen im Land und auf der anderen Seite eine dramatische Verschlechterung von Lebenqualität von Menschen in der Stadt.

Das bedeutet im ganz konkreten Fall, dass Anwohner:innen nachts die Fenster nicht mehr aufmachen können, wegen des Lärms und der Abgase. Sebastian Wagemeyer

WDR: Haben Sie das Gefühl, das ist dort angekommen, wo Entscheidungen getroffen werden müssen?

Wagemeyer: In einigen Bereichen ganz sicher, denn ich bin überzeugt davon, dass die Kolleg:innen bei Straßen.NRW und bei der Autobahn GmbH ganz intensiv an Lösungen arbeiten. Ich hätte mir aber stärkere Signale aus Düsseldorf gewünscht.

Das Ausfahrt-Schild Lüdenscheid Nord an der A45. Im Hintergrund sieht man den Verkehr, der ab hier von der Autobahn geleitet wird.

Vollsperrung auf der A45 bei Lüdenscheid

Einfach auch mal einen Anruf um zu sagen: Wir stehen hier an eurer Seite. Wir unterstützen euch. Wir sehen, was das für Probleme für euch auslöst. Das ist bisher in der Form so nicht passiert. Das finde ich etwas enttäuschend und erwarte das in der kommenden Woche mit dem Besuch der Ministerin, die sich angekündigt hat.

WDR: Was kann die Stadt tun?

Wagemeyer: Wir haben tatsächlich sehr begrenzte Möglichkeiten. Wir haben vergangenen Donnerstagnachmittag davon erfahren und kurz danach wurde die Brücke gesperrt. Das hat zu einem Verkehrskollaps in Lüdenscheid geführt. Wir haben dann das, was wir tun konnten, gemacht. Wir haben Ampelschaltungen angepasst, um eine Entzerrung zu bewirken.

Mitglieder der Feuerwehr Lüdenscheid haben ihren Job als Home-Office in die Fahrzeughalle verlegt

Die freiwillige Feuerwehr macht "Home Office" im Gerätehaus.

Wir haben mit der Feuerwehr geschaut, wie besetzen wir Gerätehäuser, um für den Notfall gewappnet zu sein. Da reden wir über ehrenamtliche Kräfte, denen man nochmal einen besonderen Dank aussprechen muss.

Das ist keine Situation, die wir dauerhaft und monatelang aufrecht erhalten können. Sebastian Wagemeyer

Wir erwarten für unser Zuhause, für unser Lüdenscheid, als Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider, alles, was Bund und Land tun können um diese Situation zunächst mal zu verbessern und dann natürlich zu einer vernünftigen Lösung zu kommen.

Sebastian Wagemeyer, Bürgermeister Lüdenscheid

Sebastian Wagemeyer

Sebastian Wagemeyer (SPD) ist seit November 2020 Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid. Er sagt, die Sperrung der Rahmedetalbrücke sei eine Katastrophe.

WDR: Ich hab die Leverkusener Brücke vor Augen, die ist immer noch nicht fertig...

Stau auf der A45 bei Lüdenscheid

Wagemeyer: Ja, aber wir müssen jetzt mit Nachdruck daran gehen, in allen Bereichen, um zu einer schnelleren Planung und zu einer schnelleren Umsetzung zu kommen, denn diese Situation ist für alle Lebensbereiche und für die Wirtschaft nicht hinnehmbar.

Das Interview führte Michaela Padberg.

Stand: 10.12.2021, 08:12