Youtuber Marvin zum Datenskandal in Büren: "Jetzt brennt der Baum"

Youtuber Marvin zum Datenskandal in Büren: "Jetzt brennt der Baum"

  • Youtuber Marvin im Interview mit dem WDR
  • Patientenakten in alter Klinik in Büren gefunden
  • Keine Angst vor Anzeigen

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In einem Video hat Youtuber Marvin auf seinem Kanal "ItsMarvin" einen Datenskandal aufgedeckt. Beim Dreh in einem alten, leer stehenden Krankenhaus in Büren fanden sich tausende Krankenakten.

In unserem Instagram-Interview spricht er über seine Entdeckung und seine Liebe zu verlassenen Bauten.

WDR: Marvin, Du hast in einem ehemaligen Bürener Krankenhaus jede Menge vertraulicher Daten von Patienten gefunden. Wie bist Du auf den Ort gekommen?

Marvin: Es ist so, dass ich seit Jahren "Lost Places" erkunde. Im April hat sich dann eine Zuschauerin bei mir gemeldet und mich auf diesen Ort aufmerksam gemacht. Und dann sind wir der Sache auf den Grund gegangen. Und jetzt brennt der Baum, würde ich sagen.

WDR: Was hast Du denn genau vorgefunden?

Marvin: Wir haben innerhalb von 30 Sekunden einen kompletten Zugang zu den Patientenakten gehabt. Vom Totenschein bis zur Diagnose. Und auch Röntgenbilder, die da seit zehn Jahren verweilen. Man kann anhand dieser Akten den kompletten Krankheitsverlauf einer Person nachverfolgen.

WDR: Und das steht einfach jedem offen?

Marvin: Eine Zuschauerin hatte mir sogar geschrieben, dass sie dort die Krankenakte von ihrem Opa gefunden und mitgenommen hat. Die Leute aus Büren tragen also auch dazu bei, dass die Akten dort verschwinden.

WDR: Du hast jetzt eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch bekommen. Was sagst Du dazu?

Marvin: Wir haben von mehreren Seiten gehört, dass in dem Krankenhaus die Leute rein und raus rennen und der Sicherheitsdienst nur auf sein Handy schaut. Und weil sich daran offenbar über längere Zeit nichts geändert hat, haben wir beschlossen, reinzugehen. Das ist ein journalistischer Ansatz.

WDR: Was war denn der krasseste Ort, den Du dir für deinen Youtube-Kanal angeschaut hast.

Marvin: Schwer zu sagen, es waren schon so viele. Diskotheken, ein Zelt, jede Menge Krankenhäuser. Es geht darum, ehrlich darzustellen, wie der Verfall ist. Ich erinnere mich an einen besonders spannenden Ort, eine Papierfabrik. Mit diesen Videos will ich auch dazu beitragen, die Kultur hier im Ruhrgebiet zu erhalten.

Das Interview führte Cosima Gill.

Hinweis: Das Gespräch wurde für die Online-Version stark gekürzt und sprachlich bearbeitet.

Was machen Urbexer? Und was sind Lost Places?

"Urban Exploration", auf Deutsch "Stadterkundung", ist ein Trend, der vor allem von Hobby-Fotografen und -Filmern gepflegt wird. Die Anhänger der Bewegung, auch "Urbexer" genannt, erkunden mit Vorliebe verlassene Gebäude oder Industrieanlagen und dokumentieren dies in den sozialen Netzwerken. Besonders populär sind bei Urbexern so genannte "Lost Places", verlassene oder verfallene Orte, die eine besondere Ästhetik ausstrahlen.

Urbexer kommen gelegentlich mit dem Gesetz in Konflikt, weil verlassene Grundstücke in privatem Besitz sind. Wer dort eindringt, kann wegen Hausfriedensbruchs belangt werden.

Stand: 02.06.2020, 11:00