Seit 20 Jahren Drogenkonsumraum in Münster

Der Zugang zu zwei kleinen Räumen, jeweils mit einem Stuhl

Seit 20 Jahren Drogenkonsumraum in Münster

Der Verein Indro in Münster feiert Jubiläum. Vor genau 20 Jahren, am 1. April 2001, nahm er den ersten Drogenkonsumraum in NRW in Betrieb. Täglich kommen mehrere Dutzend Konsumenten.

Meist sind es etwa 70 pro Tag, zurzeit aber wegen der Corona-Pandemie noch höchstens 40. Indro bietet ihnen ein hygienisches, steriles Konsumieren von Drogen an – weg von der Straße, hin zu einem kontrollierten Gebrauch. Der Verein hat sechs Plätze, wegen Corona musste er das Angebot auf zwei herunterfahren.

Ganz in der Nähe des Szenetreffpunkts

Die Anlaufstelle liegt direkt an der Rückseite des Hauptbahnhofs, eingepfercht zwischen Fastfood- und Glücksspielläden, es gibt schönere Ecken in der Stadt. Die Lage hat aber einen entscheidenden Vorteil, sie liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Szenetreffpunkt Nummer 1 der Stadt, dem Bremer Platz.

Bis zu 1.200 Konsumenten harter Drogen in Münster

Ein Mann mit weißen Haar und Brille

Ralf Gerlach leitet die Einrichtung

Nach Einschätzung von Polizei und Indro gibt es in Münster etwa 1.000 bis 1.200 Konsumenten von harten Drogen, rund 250 kommen täglich zum Bremer Platz, meint Ralf Gerlach, Gründungsmitglied und heutiger Leiter von Indro.

Zu seinem Team gehört auch Eva Gesigora, die Sozialarbeiterin beschreibt, wer so alles zu ihnen kommt: "Wir haben den arbeitenden Familienvater, der in der Mittagspause oder nach Feierabend kurz reinkommt zum Konsumieren. Und den Wohnungslosen, der im desolaten Zustand ist und erstmal was zu essen braucht und nach warmen Klamotten fragt." Eine Stammkundin ist zum Beispiel Christin, für die 40-Jährige ist Indro eine wichtige Anlaufstelle: "Ich konsumiere manchmal und gebe Spritzen ab und hol‘ mir dann neue, kostenlos, und auch Klamotten."

Bislang rund 250.000-mal Drogen konsumiert

In der Summe sind das beeindruckende Zahlen: In den 20 Jahren gab es bei Indro 250.000 Konsumvorgänge. Mehr als zwei Millionen gebrauchte Spritzen wurden gegen neue ausgetauscht. Finanziert wird Indro unter anderem von der Stadt Münster und dem Land.

Stand: 01.04.2021, 15:52

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