ICE-Aus in Hagen: Pendler erzählen

Pendlerin Kathrin H. steht am Hagener Bahnhof vor einem einfahrenden ICE

ICE-Aus in Hagen: Pendler erzählen

Von Nina Magoley

Nicht nur Fernreisende nach Berlin sind vom Ausfall der ICE-Verbindungen in Hagen betroffen. Auch viele Pendler stehen nun vor einem Problem. Drei von ihnen erzählen, warum.

Wie sie nächstes Jahr pünktlich zur Arbeit kommen soll, weiß Kathrin H. (im Bild oben) bis jetzt noch nicht:

An drei Tagen in der Woche arbeitet die Hagenerin in Köln - kombiniert die Stelle bei einer Hilfsorganisation allerdings mit zwei weiteren Jobs als Ballettlehrerin östlich von Hagen. Schon jetzt sei das "eine Herausforderung", denn die Züge seien fast nie pünktlich.

Dass wegen einer Baustelle in Bielefeld ausgerechnet der kurze Halt in Hagen eingespart werden soll, ist für die 38-Jährige nicht nachvollziehbar:

"Warum fährt der Zug dann nicht einfach etwas früher los?" Und was, wenn die Bahn am Ende der Bauzeit den ICE-Halt doch nicht wieder einführt? Spätestens dann, sagt Kathrin H., müsse sie mit ihrem Arbeitgeber sprechen.

Chaos jetzt schon Normalität

Auch Monica Carstens ist ratlos: Seit zehn Jahren fährt sie täglich in aller Frühe mit dem ICE von Hagen nach Köln und von dort mit der Regionalbahn weiter nach Bonn, wo sie im argentinischen Konsulat arbeitet.

Chaotisch seien die Zustände bei der Bahn schon seit Jahren, sagt sie. Kaum ein Zug sei pünktlich, fast jeden Tag muss sie beim Umsteigen rennen. Neulich sei der ICE, der morgens eigentlich um 6.57 Uhr in Hagen hält, sogar einfach durchgefahren. "Wir standen alle da und konnten nur noch gucken."

Schon jetzt braucht die 54-Jährige abends fast drei Stunden, bis sie zu Hause ist. Dass jetzt acht Monate lang auch noch fast alle ICEs wegfallen, sei "unglaublich". Nach Köln oder Bonn umzuziehen, kommt für sie nicht in Frage: Wegen der horrenden Mieten dort, außerdem arbeite ihr Mann in Hagen.

Teure Bahncard, "schlechte Gegenleistung"

Ein Reisender wartet am Bahnsteig auf den Zug

Normalität: Warten auf die Bahn

Gleich doppelt betroffen ist der Versicherungsangestellte Thilo Heuser. Viermal pro Woche fährt er von Hagen zur Arbeit nach Frankfurt, mehrmals im Monat muss er beruflich nach Berlin. In beide Richtungen werde demnächst der ICE in Hagen "vor seiner Nase vorbeifahren" - ohne zu halten, ärgert er sich.

Die Begründung der Bahn, dass damit der Zeitverlust durch die Baustelle in Bielefeld aufgeholt werden soll, findet der 45-Jährige bei der ohnehin notorischen Unpünktlichkeit der Züge "mehr als lächerlich".

Auto statt Bahn ist für ihn keine Alternative: Mit endlosen Baustellen auf der A45 würde die Fahrt noch länger dauern.

Was ihn besonders ärgert: 4.000 Euro zahlt Heuser jedes Jahr für seine Bahncard 100 - "während die Gegenleistung immer schlechter wird". Schon jetzt komme er abends erst spät zu Hause an, ohne die ICE-Verbindung wird es noch später werden. "Da geht ein Stück Lebensqualität verloren."

Stand: 14.12.2018, 06:30

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