Lokaljournalismus mit "Rums" - Modell mit Zukunft?

Der Prinzipalmarkt mit Giebelhäusern und Lambertikirche.01.01.2018

Lokaljournalismus mit "Rums" - Modell mit Zukunft?

Von Christopher Ophoven

Weniger Redaktionen, sinkende Auflagen: Der Lokaljournalismus in NRW steckt in der Krise. Vom Rückzug der Etablierten aus der Fläche könnten kleine lokale Online-Medien profitieren.

"Wir schreiben Münster einen Brief", erklärt Redakteurin Katrin Jäger das Konzept von "Rums" - die Abkürzung steht für "Rund um Münster". Den Newsletter gibt es seit Anfang März, bislang kostenfrei. Jetzt wird das Angebot kostenpflichtig und "Rums" weiter ausgebaut. Neben den kurzen Berichten im Newsletter gibt es längere Artikel auf der Homepage. Nähe als Alleinstellungsmerkmal.

Geplant sind auch Veranstaltungen und ein Podcast, so Jäger. Doch nicht nur die Corona-Pandemie erschwert die Planungen. Es kommt auch darauf an, wie viele Leser sich entscheiden, für "Rums" zu bezahlen. Die ersten Rückmeldungen seien positiv, erklärt Katrin Jäger. Konkreter wird sie nicht.

Lokaljournalismus in der Krise

In Münster gibt es zwei Tageszeitungen, die sich inhaltlich kaum unterscheiden und im selben Verlag erscheinen. In ganz NRW ist die Branche unter Druck. Viele kleinere Blätter wurden aufgekauft, Redaktionen mussten fusionieren. Das geht auf Kosten der Meinungsvielfalt. Und die Auflagen sinken weiter, ebenso die Werbeeinnahmen.

Vor allem in kleinen Lokalredaktionen wird weiter beim Personal gespart. Für die sogenannten hyperlokalen Angebote im Internet ergeben sich genau dort Lücken für eine punktgenaue Berichterstattung, das kann aus dem Stadtteil sein oder vom Dorf. Davon profitiert auch Thomas Reuter mit dem Portal taeglich.me im Kreis Mettmann.

Anders als die Zeitungen kann Reuter über kleine Gemeinden deutlich schneller und ausführlicher berichten. Er habe zum Beispiel früher als die Lokalzeitung erfahren, in welchem Ort Corona-Infektionszahlen gestiegen sind. Oder wie die Schulen jeweils auf die Pandemie reagiert haben. Der Lohn für diese Nähe zum User: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Abozahlen deutlich gestiegen. Inzwischen gibt es rund 1.500 Abonnenten. Komplett davon leben können Reuter und beiden anderen Gesellschafter aber noch nicht.

Superlokale Angebote verdienen kaum Geld

"Es gibt nur sehr wenige, die wirklich erfolgreich sind und sich ein eigenes Gehalt zahlen können, von dem man auch leben kann", sagt der Kölner Medienökonom Ralf Spiller. Eine Studie des Professors zeigt, dass die meisten solcher Angebote Ein-Mann-Betriebe sind. Darunter leide zwangsläufig das Produkt, weil eine Person die zahlreichen Aufgaben - Redaktion, Vermarktung, Technik - nicht allein bewältigen könne.

Bei "Rums" in Münster arbeiten mehr als zehn Menschen, aber keiner davon in Vollzeit. Nur die beiden Redakteure sind angestellt. Spiller sagt deshalb: "Die Startbedingungen sind dann schon mal besser, aber es kommt natürlich auch darauf an, wie viel Konkurrenz ist in der Region."

Anders als bei den meisten hyperlokalen Angeboten gibt es bei "Rums" mehrere Gesellschafter, darunter den ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Der stammt selber aus Münster und ist sogar Kolumnist bei "Rums". Warum, erklärt er so: "Lokalpatriotismus ist ein Grund. Begeisterung für Journalismus ist ein Zweiter. Ich glaube, kein Journalismus ist wichtiger als der lokale oder regionale. Und drittens mag ich Abenteuer."

Neues digitales Angebot im Münsterland

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Beiträge 28.03.2020 03:30 Min. Verfügbar bis 28.03.2021 WDR 5 Von Christopher Ophoven

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Stand: 30.08.2020, 06:00