Holocaustleugnerin Haverbeck erneut vor Gericht

Archivfoto: Ursula Haverbeck im Gerichtssaal

Holocaustleugnerin Haverbeck erneut vor Gericht

Wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung steht Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck seit gestern in Berlin vor Gericht. Der Prozess gegen die 92-jährige Vlothoerin geht am 04.12.2020 weiter.

Erst vor ein paar Tagen war Haverbeck nach zweieinhalb Jahren Haft aus der JVA Bielefeld-Brackwede entlassen worden. Im Prozess geht es jetzt um ein Interview mit einem Youtuber aus dem März 2018. Laut Staatsanwaltschaft habe sie in diesem Video den Holocaust geleugnet.

Haverbeck weist Vorwürfe zurück

Zu Prozessbeginn wies Ursula Haverbeck die Vorwürfe zurück. Die 92-Jährige erklärte, dass sie die "ganze Veranstaltung nicht" verstehe. Was ihr vorgeworfen werde, sei "aus dem Zusammenhang gerissen".

Gewaltforscher Zick erwartet kein Umdenken

 Prof. Andreas Zick im Interview, 17.01.2019

Der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick ist überzeugt, dass Haverbeck nicht mit der Holocaustleugnung aufhören wird: "Wenn Sie so auf ein Podest hervor gehoben werden, wenn Sie die Person sind, wegen der Tausende von Rechtsextremen in den sozialen Netzwerken sie loben, auf die Straße gehen, an den Geburtstag erinnern, dann ist das natürlich ein Erwartungsdruck, den sie gern erfüllt. Und Druck wird natürlich ausgeübt, indem die Szene von ihr erwartet, dass sie nicht davon abweicht."

Kein schnelles Prozessende

Das Gericht entschied, dass der Prozess Anfang Dezember fortgesetzt werden soll. Es kommt also nicht schon - wie ursprünglich erwartet - am ersten Prozesstag zu einem Urteil.

Zwei weitere aktuelle Verfahren

Es ist nicht der letzte Prozess gegen die Frau aus dem Kreis Herford: Zu zwei Urteilen der Amtsgerichte in Hamburg und Berlin laufen noch ihre Berufungsverfahren. Dort war sie zu zehn bzw. sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Es ist also möglich, das Haverbeck erneut ins Gefängnis muss.

Stand: 18.11.2020, 07:14