Mit dem Hilfstransport von der ukrainischen Grenze zurück nach Münster

Lokalzeit Münsterland 04.03.2022 04:01 Min. Verfügbar bis 04.03.2023 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges, Katja Corina Bothe, Andrea Walter

Unterwegs mit dem Hilfskonvoi für die Ukraine

Stand: 07.03.2022, 13:02 Uhr

Drei Reisebusse aus Münster waren an die polnisch-ukrainische Grenze und zurück gefahren. 2700 Kilometer insgesamt haben sie zurückgelegt. Auf dem Hinweg beladen mit Spenden aus Münster, auf dem Rückweg kamen insgesamt 87 Menschen aus der Ukraine mit. WDR-Reporterin Heike Zafar ist mitgefahren und schildert ihre Eindrücke.

Von Heike Zafar

Zwei Tage lang waren wir auf einem Parkplatz, nur wenige Autominuten von der ukrainischen Grenze entfernt, jetzt geht’s zurück nach Münster.  Für 31 Menschen ist es eine Fahrt in ein neues Leben, in ein unbekanntes Land. Es sind vor allem Mütter mit Kindern zugestiegen, bei einer Familie mit sieben Kindern durfte sogar der Vater mit ausreisen.

Die Angst fährt mit

Geflüchtete aus der Ukraine sitzen mit ihrem Hund im Bus.

Mit Hund Malishka fühlt sich Kristian nicht allein

Der 22-jährige Kristian hat seinen kleinen Hund Malishka dabei, so fühlt er sich nicht allein, erzählt er mir: "Es ist sehr hart, aber mit Malishka bin ich nicht alleine. Mein Hund muss trinken und fressen und wenn ich daran denke, dann habe ich keine Angst." Und trotzdem fährt die Angst mit.

Es ist merkwürdig still in diesem Bus, auch die vielen Kinder sitzen leise in ihrer Bank. Die Mütter starren immer wieder auf ihre Handys und schauen sich Bilder von zerstörten Häusern in ihrer Heimat an. "Ich will eigentlich zurück nach Hause", sagt Nele, die mit ihrer kleinen Tochter und dem 15-jährigen Eugen aus Kiew geflohen ist. Sie will zurück zu ihrem Mann und ihren Eltern, sagt sie, aber sie ist auch froh, dass sie mit den Kindern nicht mehr in einen Bunker flüchten muss. Sie fühlt sich zerrissen, so wie ihre Familie jetzt zerrissen ist.

München? Nein, Münster

Zwei ukrainische Kinder spielen in einem Flüchtlingslager

Hunderte Flüchtlinge hoffen auf ein besseres Leben

Im Bus sitzen auch Lesya und ihre zwei Töchter. Lesya weint, als sie mir Bilder ihrer Tanzschule zeigt. Sie war auf orientalischen Tanz spezialisiert, hat große Auftritte gehabt. Das alles ist für sie vorerst vorbei. Auch ihre Töchter haben Tränen in den Augen, als sie von ihren zerplatzten Träumen erzählen. Nico wollte Sängerin werden, zur Erinnerung an ihre Heimat hat sie zehn Musikmagazine im Gepäck. Jetzt wird sie erstmal Deutsch lernen müssen.

Mitten in der Nacht überquert der Bus die Grenze zu Deutschland. Die meisten schlafen und bekommen das kaum mit. Bei Sonnenaufgang aber kommt wieder Leben in den Bus, jeder packt seine Sachen. Eugen glaubt, dass wir in München sind. "Nein, es ist Münster", erkläre ich, aber es ist ihm egal.

Ankunft in ein neues Leben

Um acht Uhr kommt der Bus an der Oxford-Kaserne an. Zum Glück sind viele Helfer von der deutsch-russischen Gesellschaft und der Ukraine-Hilfe gekommen. Sie haben Erbsensuppe und Kaffee gekocht und heißen die neuen Mitbürger herzlich willkommen. Danach wird jeder registriert. Viele können bei Privatpersonen unterkommen, einige werden in städtischen Unterkünften untergebracht.

Busunternehmer Jungnitsch im Vordergrund mit schwarzer Cap

Tobias Jungnitsch hatte die drei Busse organisiert

Am Ende sind alle froh, endlich angekommen zu sein. Auch die zwei Busfahrer, die sich zwar abgewechselt, aber kaum geschlafen haben. "Und trotzdem würde ich wieder fahren", sagt Busunternehmer Tobias Jungnitsch, der die Busse besorgt hat. Es ist das gute Gefühl, wenigstens etwas für die Menschen in der Ukraine getan zu haben. Und dafür sagen Kristian, Nele, Eugen und alle anderen ganz herzlichen Dank.