Moschee in Herford: Kinder in Uniform

Moschee in Herford: Kinder in Uniform

Moschee in Herford: Kinder in Uniform

  • Aufmarsch von uniformierten Kindern in Herforder Moschee
  • Moscheenverband Ditib bekundet Unmut und fordert Rücktritt
  • Videobilder mit paradierenden Kindern liegen dem WDR vor

Der Vorfall ereignete sich in einer Moschee der Türkisch islamischen Union Ditib: Kinder in Uniform und mit Spielzeugwaffen in der Hand paradieren über die Bühne. Offensichtlich eine Aufführung, die auf einen militärischen Sieg in Zusammenhang mit dem türkischen Staatsgründer Atatürk anspielte. Der Aufmarsch wurde auf Video festgehalten und dem Vorsitzenden der CDU im Kreis Herford, zugespielt. Tim Ostermann forderte daraufhin eine Stellungnahme des Moscheeverbands Ditib. Die kam am Freitag (13.04.2018): "Als Bundesverband haben wir gegenüber dem Ortsverein Herford unseren Unmut über die Aufführung gezeigt und die Verantwortlichen aufgefordert, zurückzutreten", heißt es in einem Schreiben an den WDR.

Gemeinde "von der Aufführung überrascht"

Am Tag zuvor hatte die Ditib Islamische Gemeinde in Herford den Vorfall bedauert: Man werde "dafür Sorge tragen, dass sich sowas nicht wiederholt". Die Aufführung sei ohne Zutun der Gemeinde entstanden und finde ihre Zustimmung nicht. Die Aufführung sei nicht von dem eigentlich Zuständigen vorbereitet worden. Daher habe es "die übliche Qualitätskontrolle" nicht gegeben, sodass auch die Gemeinde von der Aufführung überrascht gewesen sei.

Herfords Bürgermeister zeigt sich entsetzt

Der Herforder Bürgermeister Tim Kähler zeigte sich in einer schriftlichen Stellungnahme entsetzt über das Video: "Hier werden Kinder instrumentalisiert. Sie werden in Uniformen gesteckt, rufen militärische Kommandos und salutieren." Das sei "verstörend und alles andere als integrationsfördernd." Bei einem Gespräch am Freitag (13.04.2018) im Herforder Rathaus mit drei Vertretern der Ditib-Moscheegemeinde kamen beide Seiten überein, dass der Auftritt der uniformierten Kinder inakzeptabel sei und zudem einen Imageschaden für die Stadt bedeute.

Integrationsminister übt Kritik an Ditib

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp findet die Videoaufnahmen "verstörend" und wolle sie nicht "hinnehmen". Es gebe einen Trend, dass "sich einige bei Ditib nicht mehr als Religionsgemeinschaft in erster Linie verstehen, sondern als verlängerter Arm eines türkischen Nationalismus". Der politische Islam habe in Deutschland "nichts verloren", so der FDP-Politiker gegenüber dem WDR.

Eltern erstatten Anzeige

Der Polizei liegen mittlerweile neun Anzeigen gegen die Person vor, die das Video aus der Herforder Moschee veröffentlicht hat. Die Eltern sehen in der Veröffentlichung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder.

Stand: 13.04.2018, 19:06