Comeback der "Klimasünder"? Lüdenscheid erlaubt Heizpilze wieder

Ein Mann zündet einen Heizpilz an

Comeback der "Klimasünder"? Lüdenscheid erlaubt Heizpilze wieder

Von Annika Jürgens

Sie gelten als absolute Klimasünder: Heizpilze. Vielerorts sind sie verboten - etwa in Warendorf, Siegen, Münster und Köln. Lüdenscheid erlaubt sie jetzt wieder - wegen Corona.

Sie sollen der durch Corona gebeutelten Gastronomie durch die kalte Jahreszeit helfen: Heizpilze. Der Stadtrat in Lüdenscheid hat am Montagabend einstimmig beschlossen, dass der Einsatz von Heizpilzen bis April 2021 wieder erlaubt ist.

Ein großer Heizstrahler verbraucht, wenn er acht Stunden brennt, ungefähr genauso viel Energie wie man bräuchte, um zwei bis drei mittelgroße Wohnungen zu beheizen. Trotzdem fordert der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, dass die Heizpilzverbote ausgesetzt werden. Damit sollen die Gastronomen auch im Winter noch ihre Außenbereiche nutzen können und so weniger finanzielle Einbußen erleiden.

Laschet: Heizpilz-Erlaubnis soll Wirte stärken

Unterstützt wird diese Forderung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). "Wir wollen den Wirten im kommenden Winter mehr Außengastronomie ermöglichen. Heizpilze aufstellen zu können, gehört mit zu diesem Konzept", sagte er am Sonntag nach Angaben der Staatskanzlei.

"Mit Blick auf die Ausnahmesituation und den Gesundheitsschutz halte ich das für richtig. So kann ganz praktisch geholfen werden", fügte Laschet hinzu. Auf welche Weise die Erlaubnis umgesetzt werden soll, ist allerdings noch unklar.

Heizpilz-Entscheidung in Lüdenscheid wohl am Montag

Ob Gastronomen Heizpilze einsetzen dürfen, darüber entscheiden die Kommunen. Verboten ist es zum Beispiel in Warendorf, Siegen, Münster und Köln. Auch in Lüdenscheid sind sie eigentlich verboten. Jetzt gibt es aber eine Ausnahmegenehmigung. Zuvor hatte der Dehoga erfolgreich einen entsprechenden Antrag gestellt.

Besucher eines Strassencafes sitzen unter einem Heizpilz

Am Mittwoch entschied bereits der Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt, dass das Heizpilzverbot bis April 2021 ausgesetzt werden soll. "Wir glauben, ein paar Monate den Gastronomen Planungssicherheit zu geben, das ist vertretbar", sagte Martin Bärwolf, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. "Ab nächstem Jahr soll es dann nur noch klimafreundliche Lösungen geben für außerhalb."

Gastronomen hoffen auf Heizpilze

Den Gastronomen würde eine Heizpilz-Erlaubnis sehr entgegenkommen. Frank Hulla beispielsweise ist Besitzer einer Cocktailbar in Lüdenscheid. Durch Corona kann er drinnen nur noch 25 Gäste bewirten, statt vorher 40. Deshalb wünscht sich Frank Hulla, dass er auch bei schlechterem Wetter den Außenbereich nutzen kann.

"Grundsätzlich würde ich keine Heizpilze kaufen, aber in der Situation finde ich es gut. Mir bleibt nichts anderes übrig, um die Gäste zu uns hochzuholen", sagt der Lüdenscheider.

Gastronomie von außen.

Mit Heizpilzen hofft Gastronom Hulla auf mehr Gäste im Außenbereich.

Und auch wenn es drinnen im Winter gemütlicher ist, als unter einem Heizstrahler auf der Terasse, ist der Gastronom optimistisch: "Das seh ich einfach so, selbst wenn der Gast nur einen Cocktail trinkt: Ein Cocktail ist ein Cocktail. Wir freuen uns über alles!"

Trotzdem denken viele Gastronomen auch über umweltfreundlichere Lösungen nach, zum Beispiel Infrarotstrahler oder Windschutzwände.

Heizpilze in vielen Städten weiterhin verboten

Nicht alle finden die Entscheidung der Stadt Lüdenscheid gut. Wolfgang Utsch von der Energiewendegruppe MK spricht von einer "Symbolwirkung in die falsche Richtung". Die Idee, Heizpilze vorübergehend wieder zu erlauben, hält er für eine Entscheidung gegen das Klima.

Er schlägt stattdessen vor: "Es gibt genug Leerstände in Lüdenscheid. Diese könnte man wieder aktivieren und dort noch weitere Gäste platzieren."

Lüdenscheid ist bis jetzt in NRW die einzige Kommune, in der das Verbot ausgesetzt wurde. Die anderen Kommunen halten erstmal am Verbot fest.

Stand: 07.09.2020, 18:21