Keine Impfung im Betreuten Wohnen

Bild von Impfzentrum

Keine Impfung im Betreuten Wohnen

Von Heike Zafar

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Tibus-Residenz in Münster sind sauer. Während die knapp 50 Senioren auf der Pflegestation schon gegen Corona geimpft wurden, müssen die im Betreuten Wohnen ins Impfzentrum kommen.

Gisela Wittenberg hat schon alles versucht: An Münsters Bürgermeister Markus Lewe, an die Kassenärztliche Vereinigung, sogar an Gesundheitsminister Laumann persönlich hat sie geschrieben, bislang ohne Erfolg. Trotzdem will sie nicht lockerlassen, denn sie kann das organisatorische Impf-Chaos, wie sie es nennt,  kaum nachvollziehen.

Eine ältere Frau mit grauem Haar

Gisela Wittenberg kritisiert die Impfregelung

Weder sie noch ihre Mitbewohner in der Tibus-Residenz haben von der Stadt Münster bislang den Brief zur Impf-Anmeldung bekommen. "Schon darum sind wir davon ausgegangen, dass wir alle hier in der Einrichtung geimpft werden", sagt Gisela Wittenberg.

Unkomplizierte Impfung möglich

Eine Impfung der rund 140 Bewohner wäre in der Residenz viel unkomplizierter und würde den zum Teil über 100-Jährigen die Fahrt und das Risiko der Ansteckung im Impfzentrum ersparen. Die notwendigen Bedingungen dafür, Ärzte und Räume seien da, das hätten auch die Impfungen auf der Pflegestation gezeigt, sagen Gisela Wittenberg und ihre Mitstreiter vom Bewohnerbeirat.

Ein Senior

Franz Metz hat kein Verständnis

Stattdessen müssten sich jetzt alle anderen Bewohner der Tibus-Residenz selbst einen Impftermin besorgen und Begleitung und Fahrt zur Halle Münsterland organisieren. "Das ist natürlich eine große Belastung für uns und auch unökonomisch", sagt der 92-jährige Franz Metz, der das als ehemaliger Bankkaufmann nur schwer nachvollziehen kann. Die Stadt Münster könne hohe Taxikosten sparen, wenn erst gar keine Fahrten anfielen.

Impfung nach Prioritätenliste

Wolfgang Heuer, Münsters Krisenstabsleiter, verteidigt dagegen das Vorgehen der Stadt.  Das Land habe, auf der Basis der Bundesgesetzgebung, eine Prioritätenliste erstellt. Darin sei klipp und klar vorgegeben, dass nur die Bewohner stationärer Alten- und Pflegeeinrichtungen vor Ort geimpft werden, erklärt Heuer.

Alle anderen Senioren, egal ob 80 oder 106 Jahre alt,  ob sie zuhause, im betreuten Wohnen oder  Demenz-Wohngemeinschaften leben, müssen in die Impfzentren kommen. Auch die Menschen aus teilstationärer Betreuung wie Tagespflege, Ausnahmen seien nicht erlaubt.

Warten auf die Hausarzt-Impfung

Allein in Münster sind mehrere Demenz-WGs und Altenheime mit angeschlossenem betreutem Wohnbereich betroffen. Noch schwerer ist die Lage für viele pflegebedürftige und nicht mehr transportfähige alte Menschen, die zu Hause betreut werden. Wer nicht ins Impfzentrum kommen kann, muss warten, bis die Hausärzte Impfstoff haben. Und das kann noch Wochen dauern.

Gisela Wittenberg und ihre Mitstreiter aus der Tibus-Residenz setzen dennoch darauf, dass es doch noch eine praktikable Lösung für sie und das Impfproblem gibt. Sie finden, es bräuchte nur etwas mehr Logik, dann könnte  alles gut funktionieren.

Stand: 04.02.2021, 20:02