Verschwundene Krippen-Figuren wieder da

Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige vor dem Altar der katholischen Kirche Christi Auferstehung in Köln-Lindenthal

Verschwundene Krippen-Figuren wieder da

  • Aktivisten bringen Krippenfiguren zurück
  • Kritik an europäischer Flüchtlingspolitik
  • Ausgangspunkt der Aktion war Münster

Die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige sind wieder da. Die politischen Aktivisten, die die Figuren aus den Weihnachtskrippen in mehreren Kirchen genommen hatten, haben sie zurückgegeben. Schwerpunkt der Aktion war Münster. Allein hier waren acht Kirchen von dem Diebstahl betroffen.

Aktivisten klauen Krippenfiguren aus Kirchen in Münster Lokalzeit Münsterland 06.01.2020 02:40 Min. Verfügbar bis 06.01.2021 WDR Von Andrea Walter

"Heilige drei Könige kämen heute nicht weit"

Die Gruppe, die sich als Künstlerkollektiv "Ausgegrenzt" bezeichnet, wollte mit der Aktion nach eigenen Angaben auf die gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen aufmerksam machen. Würden die drei Heiligen Könige heute das Jesuskind begrüßen wollen, würden sie nicht weit kommen: festgehalten in Flüchtlingslagern oder in bayerischen Ankerzentren.

Figuren wieder da

In den Kirchen hinterließen die Aktivisten Schreiben. Darin erklärten sie ihre Aktion und sicherten zu, die gestohlenen Figuren in den kommenden Tagen unbeschadet wieder zurückzubringen. Das ist nun passiert. In einigen Kirchengemeinden waren die seit Samstag verschwundenen Figuren bereits am Sonntag wieder da.

Kollektiv setzt auf Hilfe der Kirchengemeinden

Die Kirchen könnten ein wichtiger Antrieb sein, um die Rechte von Geflüchteten zu verbessern, sagte ein Sprecher des Kollektivs am Sonntag (05.01.2020) dem WDR-Studio Münster. Münster sei auch deshalb ein Schwerpunkt der Aktion, weil die Stadt ausgesprochen christlich geprägt und die Idee zu dieser Aktion von hier ausgegangen sei. Bereits im vergangenen Jahr gab es in Münster eine ähnliche Aktion. Neben Münster waren in Nordrhein-Westfalen auch drei Kirchengemeinden in Köln sowie eine in Bielefeld betroffen.

Kritik und Anzeige wegen Diebstahls

Bei den Mitarbeitern der Kirchengemeinden stieß die Aktion aber auch auf Kritik. "Gerade in unserer Gemeinde hätte man mit Sicherheit schon viel Solidarität erhalten", sagte zum Beispiel die Küsterin der Heilig-Geist-Kirche in Münster, "aber es bleibt Diebstahl, es ist ein Rechtsbruch." Die Sankt Pankratius Gemeinde in Köln hatte sogar Anzeige erstattet, diese dann aber nach der Rückkehr der Figuren wieder zurückgezogen. "Alle vier Figuren sind wohlbehalten wieder eingetrudelt", bestätigte Christoph Bouillon, Mitglied im Kirchenvorstand von Sankt Pankratius in Köln.

Josef fehlt in Halterner Krippen

Mit einer ähnlichen Aktion macht zur Zeit auch in Haltern der Asylkreis auf die Situation Geflüchteter aufmerksam. In fünf Kirchen fehlt hier die Josef-Figur in den Krippen. Stattdessen liegt dort ein Schreiben, dass Josef sich in Abschiebehaft befinde.

Anders als bei "Ausgegrenzt" ist die Aktion in Haltern mit den örtlichen Pfarrern abgesprochen und soll auf die Notwendigkeit der lokalen Unterstützung für Geflüchtete hinweisen. Damit könnte auch Josef am kommenden Wochenende wieder aus der Abschiebehaft geholt werden, deutete ein Sprecher an.

Stand: 07.01.2020, 16:00