Der zerstörte Wagen, in dem Saban Saulic saß

Prozess um Unfalltod von serbischem Popstar Saulic: Berufung eingelegt

Stand: 27.01.2022, 17:57 Uhr

Für den Unfalltod des serbischen Popstars Saban Saulic im Februar 2019 soll ein 37-Jähriger für drei Jahre und drei Monate in Haft. Dagegen hat der Anwalt des Verurteilten jetzt Berufung beim Landgericht Bielefeld eingelegt.

Wegen der langen Verfahrensdauer in der Corona-Pandemie und der Zeit in Untersuchungshaft hatte das Amtsgericht dem Unfallverursacher drei Monate der Strafe erlassen. Sein Verteidiger hatte sich für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ausgesprochen. Der 37-Jährige Unfallverursacher war am 20. Januar 2022 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden.

Saulic und sein Keyboarder starben im Krankenhaus

Das Amtsgericht Gütersloh kam zu der Auffassung, dass er unter Alkohol- und Drogeneinfluss auf der A2 bei Bielefeld auf den Wagen des serbischen Musikers Saban Saulic aufgefahren war. Es galt Tempo 80 in der Baustelle, er soll mit 150 Stundenkilometer unterwegs gewesen sein. Saulic (67) starb im Krankenhaus, auch sein Keyboarder Mirsad Keric (43) war nach einige Tage später tot. Ein Mitfahrer wurde schwer verletzt.

Umfassendes Geständnis

Im Prozess legte der 37-jährige ein umfassendes Geständnis ab. Er ließ über seinen Verteidiger mitteilen, dass ihm alles zutiefst leid tue. Ihm sei bewusst, dass die Angehörigen der Opfer seine Entschuldigung nicht annehmen würden. Warum er sich das Auto eines Bekannten ohne gültigen Führerschein nahm und wie es zu der Fahrt kam, ließ er offen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Jetzt also müssen sich die Richer erneut mit dem Fall beschäftigen.

Keine Antwort auf Frage nach dem Warum

Die Nebenkläger hatten bis zu vier Jahre Haft gefordert. Die aus Belgrad und dem Rhein-Main-Gebiet angereisten Angehörigen, darunter die Frau und Tochter von Saulic, nehmen laut den Anwälten dem 37-Jährigen die Reue nicht ab. Sie beklagen, dass es keine Antworten auf die Fragen nach dem Warum der Fahrt und den Geschehnissen in der Nacht zuvor gab.

Leid der Familie nicht wiedergutzumachen

Die Nebenkläger äußerten über die Anwälte ihr Unverständnis, dass die Fahrt nach deutscher Rechtsprechung als fahrlässige Tötung beurteilt werde. Das Gericht machte in der Urteilsbegründung daraufhin deutlich, dass dem 37-Jährigen kein Tötungsvorsatz nachzuweisen sei. "Kein Urteil dieser Welt kann das Leid der Familien wieder gut machen", sagte der Richter abschließend.

Superstar auf dem Balkan

Saban Saulic

Der Sänger war nach einem Konzert am Vorabend in Bielefeld auf dem Weg zum Flughafen in Dortmund. Saban Saulic galt auf dem Balkan als Superstar.

Bis zu seinem Tod brachte er 23 Singles, 32 Alben und zwei Best-Of-Alben heraus. Er trat auch in zahlreichen westeuropäischen Ländern und den USA auf. Auch in Ostwestfalen-Lippe hatte der 67-Jährige zahlreiche Fans.

Über dieses Thema haben wir am 20. Januar 2022 bei WDR 2 berichtet: Lokalzeit OWL, 14:30 Uhr