Bosseborn-Prozess: Gutachter hat ausgesagt

Bosseborn-Prozess: Gutachter hat ausgesagt

  • Gutachter: Angeklagter habe von sexuellem Missbrauch gesprochen
  • Wilfried W. stritt Mittäterschaft an den Gräueltaten in Bosseborn ab
  • Bosseborn-Prozess dauert mindestens bis Februar

Im Frühjahr dieses Jahres hatte der Angeklagte Wilfried W. zunächst selbst vor Gericht ausgesagt. Im Verlauf des Prozesses weigerte er sich aber, weitere Aussagen zu machen, weil er sich überfordert fühlte. Stattdessen redete er 16 Stunden lang mit dem psychatrischen Gutachter, der am Dienstag (14.11.2017) als Zeuge aussagte. Wilfried W. habe bereitwillig Auskünfte zu seinem Lebenslauf und den Geschehnissen in Bosseborn gegeben, gab der Professor für forensische Psychiatrie an.

Wilfried W. sprach von schwieriger Kindheit

Wilfried W. habe unter anderem berichtet, vom eigenen Vater misshandelt worden zu sein. Nach der Trennung der Eltern habe der neue Partner der Mutter Wilfried W. dann sechs mal massiv missbraucht, erstmals als 13-Jährigen. Auch später als Häftling im Gefängnis sei Wilfried W. nach dessen Angaben sexuell bedrängt worden. Dies alles habe er dem Sachverständigen in gemeinsamen Gesprächen erzählt.

Gutachter: Wilfried W. hat Tatvorwürfe immer abgestritten

Ihm gegenüber habe der Angeklagte immer beteuert, nichts mit den Gewalttaten im sogenannten "Horrorhaus von Bosseborn" zu tun zu haben, berichtete der Gutachter weiter. Der Angeklagte habe sich vorgeworfen, aus Angst nicht gegen seine mitangeklagte Ex-Frau Angelika eingeschritten zu sein, von der stets die Gewalt ausgegangen sei. Dementsprechend mache Wilfried W. allein sie für den Tod zweier Frauen im Haus in Höxter-Bosseborn verantwortlich. Der Angeklagte habe es nach eigener Darstellung nie geschafft, sich von Angelika zu trennen. Er habe es einfach nicht ertragen, allein zu sein. Außerdem habe Angelika W. ihn mit seiner Vorstrafe erpresst, falls er sie verlasse.

Gerichtsverfahren geht mindestens bis Februar

Über die Frage der Schuldfähigkeit wird der 61-Jährige Gutachter vermutlich erst an einem der kommenden Prozesstage referieren. Das Gericht hat heute (Dienstag, 14.11.2017) vorsorglich weitere Termine in diesem Mammutverfahren bis in den Februar 2018 festgelegt.

Verteidigung lehnt Gutachter ab

Der Verteidiger des Angeklagten Wilfried W. hat den den Sachverständigen unterdessen abgelehnt. Der Gutachter sei nicht nur unvorbereitet, sondern auch schlecht informiert gewesen und habe sich in Widersprüche verstrickt, hieß es. Ob das Gericht den Sachverständigen abberufen wird, steht noch nicht fest.

Stand: 14.11.2017, 15:09