Gottesdienst thematisiert Missbrauchsfälle in Lügde

Gottesdienst thematisiert Missbrauchsfälle in Lügde

Von Christina Joswig

  • Missbrauchsfälle Thema im Gottesdienst in Lügde
  • Gebete und Kerzen für die 29 bekannten Opfer
  • Pastor Leweke: "Wut ist nicht wegweisend."

Als um kurz nach 18 Uhr der letzte Glockenschlag ertönt, ist die kleine Kirche in Lügde-Elbrinxen so gut wie voll – viel voller als an anderen Sonntagen. Um die 60 Menschen sind zum Gottesdienst gekommen. Er stand ganz im Zeichen des tausendfachen Kindesmissbrauchs, der in der vergangenen Woche nicht nur Lügde erschüttert hatte.

Was sich dort auf einem Campingplatz der lippischen Kleinstadt ereignet hat, beschäftigt viele Bürger.

"Schrecken hat sich über unser Dorf gelegt"

Auch der evangelische Pastor Dietmar Leweke war sichtlich erschüttert. „Nichts ist wie vorher – Schrecken hat sich über unser Dorf gelegt“, begrüßte er die Menschen. Neben dem Altar brannten 29 Kerzen: eine für jedes Kind, das Opfer des sexuellen Missbrauchs geworden war.

Noch viele unbekannte Opfer

„Da sind viele kleine Seelen verletzt worden – das darf nicht sein“, sagte der Pastor weiter. Noch seien viele Opfer namenlos und man wisse nicht, wer alles betroffen ist. Mit seinem Gottesdienst wolle er Hilfe anbieten. Einen geschützten Ort, an dem Gefühle und Erlebtes offen ausgesprochen werden konnten.

Viel Raum für Gedanken

Evangelischer Pastor Dietmar Leweke aus Lügde

Pastor Dietmar Leweke fordert, dass die Dorfgemeinschaft wieder näher zusammenrückt.

Aus Kisten hatte der Pastor eine symbolische Klagemauer gebaut. In diese konnten die Gottesdienst-Besucher Zettel mit Ängsten, Wünschen und Hoffnungen legen. Anschließend wurden die Zettel verbrannt, ohne dass sie jemand gelesen hatte. Es war auffällig still in der Kirche, eine bedrückende Stimmung. Und immer wieder ließ der Pastor den Besuchern Zeit, um den Gedanken Raum zu geben - stets begleitet von Musik.

Mehr auf andere Acht geben

Der Pastor rief die Menschen dazu auf, sich nicht auseinandertreiben zu lassen: „Da ist auch Wut“, sagte Dietmar Leweke, aber die dürfe nicht bestimmend sein für die Zukunft.

Er ermutigte die Besucher, wieder näher zusammenzurücken und statt nur auf sich selbst wieder mehr auf andere zu schauen und aufeinander acht zu geben. Das gelte nicht nur für Lügde-Elbrinxen, sondern auch für jeden anderen Ort.

Rekonstruktion Missbrauch Lügde Aktuelle Stunde 01.02.2019 06:02 Min. UT Verfügbar bis 01.02.2020 WDR Von Jan Hofer

Stand: 04.02.2019, 07:30