Herforder Freikirche widerspricht Vorwürfen

Herforder Freikirche widerspricht Vorwürfen

In einem Ortsteil von Herford hat die Polizei am Samstagabend einen Gottesdienst einer Freikirche aufgelöst. Mehr als 100 Gläubige sollen gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen haben. Die Gemeinde bestreitet das nun.

Gottesdienst trotz Coronavirus: Die Mitglieder der freikirchlichen Kirchengemeinde "Jesu Christie" Herford, die sich am Samstagabend im ostwestfälischen Herford-Falkendiek trafen, hätten weder einen Mund-Nasen-Schutz getragen, noch habe es ein Hygienekonzept gegeben, so die Polizei. Als die Beamten eintrafen, hätten sich viele Gläubige in unterschiedlichen Räumen und auch im Keller versteckt.

Gemeinde: Vorwürfe stimmen nicht

Die Freikirche Jesu Christie widerspricht jedoch den Vorwürfen, gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen zu haben. Ein Anwalt der Gemeinde sagte dem WDR, die Gottesdienstteilnehmer hätten nach eigenen Angaben sehr wohl Schutzmasken getragen und Abstände eingehalten. Der Gesang sei vom Band gekommen.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme bekräftigt die Freikirche diese Aussagen, man habe alle Hygienevorschriften eingehalten. Die Mitglieder der Gemeinde würden es bedauern, wenn durch die Geschehnisse Ängste entstanden sind. Alle seien außerdem davon überzeugt, dass "Corona ein großes Risiko für die Gesundheit der Menschen darstellt".

Die Polizei in Herford erstattete Anzeige gegen den Veranstalter und Besucher des Gottesdienstes. Sie erwarten nun hohe Geldstrafen.

Bürgermeister und Landrat sind besorgt

Herfords Bürgermeister Tim Kähler zeigte sich äußerst verärgert über das mutmaßliche Verhalten der freikirchlichen Gemeinde: "Religionsfreiheit hin oder her, dafür habe ich kein Verständnis. Die meisten Menschen halten sich doch an die Regeln, wir alle geben uns alle Mühe." Er schaue mit Sorge auf die nächsten Tage: "Die treffen sich wieder mit anderen Menschen." Da könne es eine erhöhte Ansteckungsgefahr geben.

Auch der Landrat des Kreises Herford, Jürgen Müller, kann das mutmaßliche Verhalten der Freikirche nicht verstehen. In den vergangenen Wochen habe der Kreis mit hohen Inzidenzzahlen kämpfen müssen, es habe noch einmal höhere Beschränkungen gegeben. Es sei der erste Vorfall in seinem Kreis, wo eine Religionsgemeinschaft die Regeln offensichtlich nicht eingehalten habe. Er hoffe, dass es dabei bleibe. Müller bat darum, möglichst auf Präsenzgottesdienste zu verzichten: "Man kann die Gottesdienste auch ins Netz übertragen."

Der Pastor der Gemeinde Jesu Christi, der anscheinend nur russisch spricht, gab bei einem Telefonat sein Mobiltelefon an eine Frau weiter. Diese verneinte, dass es einen Polizeieinsatz gegeben habe.

Gottesdienst in Herford sorgt auch im Internet für Empörung

Der aufgelöste Gottesdienst löst auch bei Facebook eine Diskussion aus. Wer denke, dass Corona vor Beten und Gottesgesang Halt mache, sei ein "Narr", schreibt zum Beispiel User Tobias Fillinger. "Aber scheinbar ist dieser Gedanken bei diesen Gemeinden weit verbreitet. Es ist nun mal nicht der erste Fall in diesen Kreisen, dass es wiederholt massive Vorstöße oder gar Infektionen gab."

Auch Kurt Reichert hat den Post der Lokalzeit OWL kommentiert: "Gottesdienste der Freikirchen in der jetzigen Zeit, was für eine Religion ist das, die den Tod von Menschen in Kauf nimmt?"

Marius Dö ärgert sich allerdings noch über etwas ganz anderes: "Natürlich kann man sich darüber aufregen (...) Nur: so lange Tausende nach Winterberg fahren und sich Leute illegal zum Feiern in Gaststätten treffen, braucht man sich über diese Leute nicht wundern."

Kein Einzelfall: Auch Freikirchen-Gottesdienst in Essen wurde aufgelöst

Der aufgelöste Gottesdienst in Herford ist kein Einzelfall. Erst kurz vor Weihnachten hatte die Polizei in Essen ebenfalls einen Gottesdienst der freikirchlichen Pflingstgemeinde auflösen müssen. Auch dort waren über 80 Gläubige zusammengekommen, die gemeinsam sangen, keine Masken trugen und Abstände nicht einhielten - als gäbe es das Corona-Virus nicht.

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Stand: 07.01.2021, 13:52