Fall Westfleisch: Gewerkschaftskritik am Kreis Coesfeld

Gewerkschaftsbund: Vorwürfe gegen Fleischindustrie Lokalzeit Münsterland 13.05.2020 03:14 Min. Verfügbar bis 13.05.2021 WDR Von Ekkehard Wolff

Fall Westfleisch: Gewerkschaftskritik am Kreis Coesfeld

  • Vorwürfe von DGB und NGG
  • Kreis habe zu spät reagiert
  • Forderung nach Lohnfortzahlung für Arbeiter

Nach dem Corona-Ausbruch im Schlachthof von Westfleisch in Coesfeld gibt es jetzt scharfe Kritik von den Gewerkschaften. Vorwürfe machten Vertreter des DGB und der Gewerkschaft NGG am Mittwoch (13.05.2020) in Münster vor allem auch den Behörden.

Keine Schließungsverfügung vom Kreis Coesfeld

Coesfeld, Corona

Der Westfleisch-Betrieb wurde zu spät geschlossen, sagt der DGB

Der DGB-Kreisvorsitzende in Coesfeld, Ortwin Bickhowe-Swiderski, warf dem Kreis vor, viel zu lange untätig geblieben zu sein. Die für die Corona-Infektionen zuständige Ärztin beim Gesundheitsamt des Kreises habe noch Mitte vergangener Woche erklärt, dass der Schlachthof nicht geschlossen werde müsse.

Auch der Landrat Christian Schulze Pellengahr (CDU) habe keine klare Entscheidung getroffen. Die Schließung der Firma Westfleisch am vergangenen Freitag sei nicht vom Landrat, sondern schließlich vom zuständigen Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angeordnet worden, kritisierte er.

Aufklärung verlangt

Der DGB-Kreisvorsitzende begrüßte es, dass die Grünen eine entsprechende Kommunalaufsichtsbeschwerde gegen den Landrat auf den Weg gebracht haben. Er verlangt jetzt eine lückenlose Aufklärung der Zahlen, Daten und Fakten. Es müssen detailliert untersucht werden, wie es zu den Versäumnissen kam. Nach Angaben des Kreises von Mittwochabend sind bislang 264 Coesfelder Westfleisch-Beschäftigten mit dem Corona-Virus infiziert, 179 Testergebnisse stehen noch aus.

Landrat sieht kein Versäumnis

Ein Mann mittleren Alters

Landrat Schulze Pellengahr weist Kritik zurück

Landrat Schulze Pellengahr wies die Vorwürfe am Nachmittag im WDR-Interview zurück. Man habe angemessen und zeitnah reagiert. Der Kreis habe sich an die Regularien gehalten, wobei der Infektionsbekämpfung im Vordergrund gestanden habe. Er habe der Betrieb nicht einfach stilllegen können, so der Landrat. Erst als bei der Untersuchung des Infektionsgeschehens Hygienemängel festgestellt worden seien, habe es einen Ansatzpunkt für die Schließung gegeben.

Mehr Schutz für Arbeiter gefordert

Helge Adolphs, Geschäftsführer NGG Münsterland

Gewerkschafter Adolphs kritisierte Westfleisch

Helge Adolphs, Vorsitzender der NGG Münsterland forderte das Unternehmen Westfleisch dazu auf, auf das System der Auftragsvergabe an Sub- und Sub-Subunternehmer zu verzichten. Westfleisch habe die Kontrolle über die Lebensbedingungen der Arbeiter verloren. Adolphs forderte für die Arbeiter mit Werkverträgen eine bestmögliche ärztliche Versorgung. "Ihr Lohn muss zudem weitergezahlt werden, auch wenn sie sich jetzt in Quarantäne befinden."

Grundsätzlich müssten die Fleischarbeiter besser geschützt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Betriebe nur alle 20 Jahre von den Arbeitsschutzbehörden kontrolliert, das müsse deutlich mehr werden.

Wie geht es weiter im Kreis Coesfeld?

WDR 5 Westblick - aktuell 08.05.2020 05:07 Min. Verfügbar bis 08.05.2021 WDR 5

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Corona-Infektionen und die Rolle der Fleischindustrie Westpol 10.05.2020 UT DGS Verfügbar bis 10.05.2021 WDR

Stand: 13.05.2020, 20:00