Ärzte beklagen zunehmende Aggression

Notaufnahme im Unfallkrankenhaus Berlin

Ärzte beklagen zunehmende Aggression

  • Mediziner sollen Vorfälle melden
  • Jeder zweite aggressive Patient betrunken
  • Kammer plant Fachtagung

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist besorgt: Nach ihrer Beobachtung werden immer mehr Ärzte beschimpft oder gar attackiert. Kammerpräsident Theodor Windhorst bezieht sich auf Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Danach werden in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen täglich etwa 75 Ärzte attackiert, mehr als 2000 beschimpft. Das sei nicht hinnehmbar, diese Übergriffe seien alles andere als Kavaliersdelikte, sagte Windhorst am Donnerstagabend (13.09.2018) in der Lokalzeit Münsterland im WDR-Fernsehen.

Zahlen für Nordrhein-Westfalen liegen noch nicht vor, die Ärztekammer will dies aber für ihren Bereich ändern und denkt darüber nach, künftig eine Art Register zu führen, in dem die Übergriffe und ihre Tatorte aufgelistet werden.

Appell: Offen über dieses Thema reden

Portrait von Theodor Windhorst

Kammerpräsident Theodor Windhorst: Entwicklung nicht mehr hinnehmbar

Die Kammer appelliert an die Mediziner, offen über dieses Thema zu reden. Deshalb plant sie eine Fachtagung zum Thema "Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte" und bittet Betroffene, schon vorab ihre Erfahrungen der Kammer mitzuteilen. Windhorst kann sich vorstellen, Attacken gegen Mediziner und Pflegepersonal besonders streng zu ahnden, ähnlich wie das schon jetzt bei Gewalttaten gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter möglich ist. Eine ähnliche Forderung hatte die Ärztekammer Nordrhein bereits im März 2018 erhoben. Nach Beobachtungen der westfälisch-lippischen Ärztekammer ist etwa jeder zweite aggressive Patient betrunken.

Jede Woche "grenzwertige Fälle"

Den Trend zu mehr Gewalt in medizinischen Einrichtungen bestätigt auch Professor Michael Möllmann vom St. Franziskus-Hospital in Münster. Er spricht von etwa ein- bis zwei Fällen pro Woche, die er und seine Kollegen zumindest als "grenzwertig" einstufen. Manchmal würden auch die Deeskalationsstrategien der Mitarbeiter an ihre Grenzen stoßen - dann müsse die Klinik die Polizei rufen.

Stand: 14.09.2018, 11:01