18-Jährige aus Olpe: Im falschen Körper geboren

Jasmin Zimmermann

18-Jährige aus Olpe: Im falschen Körper geboren

Transsexuelle Menschen erfahren oft Diskriminierung und Gewalt. So auch Jasmin Zimmermann, geboren als Jan Michael. Erst mit 16 wagte sie den Schritt in die Öffentlichkeit.

Schon in jungen Jahren merkt sie, dass sie im falschen Körper geboren wurde. Ein enormer Druck. Heute ist die 18-jährige Jasmin glücklich. In Kürze wird sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Ein Meilenstein auf ihrem Weg in ein neues Leben. Aber bis dahin war es ein schwerer Weg.

WDR: Jasmin, wie fühlst Du Dich?

Jasmin Zimmermann: Ich fühle mich komplett als Frau. Seit ich die Östrogene bekomme, fühle ich mich 100 % weiblich.

WDR: Kannst Du dich noch an das Gefühl vor deinem Outing erinnern?

Jasmin Zimmermann: Es fühlte sich einfach so an, als würde man nicht dazugehören, bzw. man ist anders als andere. Schon von Kindheit an. Ich hatte immer Freundinnen, kam mit Mädchen immer besser klar. Irgendwie habe ich nie so richtig in die Norm gepasst.

WDR: Wann war dir klar: Ich bin im falschen Körper?

Jasmin Zimmermann: Aufgrund eines Suizidversuchs wurde ich mit 13 Jahren in die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lüdenscheid eingewiesen. Dort bin ich zum ersten Mal in Kontakt mit einer anderen transsexuellen Person gekommen, einem Transmann. Also im Prinzip das Gegenstück zu mir. 

Und für mich war sofort klar: Das möchte ich sein. Es fühlte sich an, als wäre endlich der Nebel verschwunden. Ich hatte plötzlich für alles eine Erklärung.

WDR: Trotzdem hast du es weiter verheimlicht. Wie hat sich das angefühlt?

Jasmin Zimmermann: Es ist pure Unterdrückung. Zum einen von der Gesellschaft, aber auch von sich selber. Man versucht, sich automatisch in ein stereotypisches Männerbild zu pressen. Es war schrecklich.

WDR: Was waren die nächsten Schritte nach deinem Outing mit 16 Jahren?

Jasmin Zimmermann

Kampf um die Identität

Jasmin Zimmermann: Der erste Schritt ist es, eine einjährige Alltagserprobung zu bestehen. Für die Krankenkasse. Erst mal musst du ein Jahr lang ohne Östrogene oder andere gegengeschlechtliche Maßnahmen in Frauengarnitur rumlaufen. Das heißt, ich musste mich damals im Prinzip mit meinem brachialen Männerkörper schminken oder weiblich kleiden.

WDR: Wie ist es dir in dieser Zeit ergangen?

Jasmin Zimmermann: Gerade die Anfangszeit war mit sehr vielen Schamgefühlen verbunden. Man fühlt sich nicht wohl. Man muss die Rolle der Frau wirklich klischeehaft ausleben. Und mit Klischee meine ich wirklich übertrieben. Ich musste mich schminken, musste mir die Nägel lackieren. Alles machen, was irgendwie weiblich ist. Einfach, damit man sieht: Ich will es wirklich machen. Erst dann spielt die Krankenkasse mit.

WDR: Wie hat die Gesellschaft auf eine Veränderung reagiert?

Jasmin Zimmermann: Im 10. Schuljahr gab es viele kritische Situationen, was meine Sexualität und meine Identität angeht. Ich muss mir Sätze anhören wie, dass man mit dem Flammenwerfer über den CSD laufen sollte oder Menschen wie ich in Auschwitz an die Wand gestellt gehören.

Es sind aber auch kleine Situationen, die einem Kraft rauben: Wenn man an einer Gruppe von Gleichaltrigen entlanggeht, sie fangen an zu schweigen und mustern einen. Und wenn man sich entfernt, hört man Gekicher.

WDR: Was würdest Du anderen Betroffenen raten?

Jasmin Zimmermann: Der wichtigste und schwierigste Schritt ist, zu sich zu stehen. Nur dann kann man glücklich sein. Auch ich habe viele Momente erlebt, die mich zurückgeworfen haben. Jetzt weiß ich jedoch: Ich bin gut so, wie ich bin.

Die Welt wird vermutlich immer offener werden, aber sie wird nie zu 100 Prozent wirklich tolerieren können. Und mehr als Toleranz erwarte ich eigentlich gar nicht. Wenn ich den Menschen da draußen nicht passe, dann sollen sie mich einfach in Ruhe lassen.

Das Interview führte Elli Konstantinidis.

Stand: 02.09.2020, 06:00