Schmerzensgeld-Prozess nach Germanwings-Absturz

Es sind nur wenige Menschen im Gerichtssaal des Essener Landgerichts. Sie müssen Masken tragen und Abstand halten

Schmerzensgeld-Prozess nach Germanwings-Absturz

  • Schmerzensgeld-Klage gegen Lufthansa
  • Angehörigen geht es um die Schuldfrage
  • Lufthansa-Ärtze sollen Fehler gemacht haben
  • Urteilsverkündung am 1. Juli

Mehr als fünf Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine mit 149 Toten in den französischen Alpen hat am Mittwoch (06.05.2020) ein weiterer Prozess begonnen. Vor dem Landgericht Essen verlangen etwa 25 Angehörige vom Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa ein höheres Schmerzensgeld.

Die Lufthansa hatte engen Angehörigen, wie etwa Eltern und Geschwistern, bereits 10.000 Euro pro Person und zusätzlich 25.000 Euro sogenanntes vererbbares Schmerzensgeld je Todesopfer gezahlt. Das ist den Betroffenen jedoch zu wenig. Sie fordern 30.000 Euro und eine Verdoppelung des vererbbaren Schmerzensgeldes.

Wer trägt die Mitverantwortung?

Die Angehörigen hoffen auch, dass in diesem Prozess Mitverantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Der Rechtsanwalt, der die Angehörigen vor Gericht vertritt, hat die Flugschule der Lufthansa in den USA im Fokus.

Helfer neben Wrackteilen nach dem Absturz einer Maschine vom Typ Airbus A320 der Fluggesellschaft Germanwings bei Seyne in den Bergen der Provence

Germanwings Absturzstelle

Durch ihre Beurteilung sei der mutmaßlich psychisch kranke Co-Pilot Andreas L. überhaupt in die Lage versetzt worden, das Passagierflugzeug zu steuern. Er soll den Absturz absichtlich herbeigeführt haben, indem er das Flugzeug gegen eine Felswand steuerte.

Klaus Radner, ein Angehöriger, der bei dem Absturz seine Tochter, seinen Schwiegersohn und seinen Enkel verlor, sagt: "Ich möchte, dass das Gericht feststellt, dass die Ärzte der Flugschule hätten mitteilen müssen, dass der Pilot psychisch nicht fähig gewesen ist, eine Passagiermaschine zu fliegen".

Lufthansa weist die Schuld von sich

Die Lufthansa habe laut eigener Aussage erst nach dem Absturz von der psychischen Erkrankung des Co-Piloten erfahen. Die Ärzte hätten sich an ihre Schweigepflicht gehalten, deshalb wisse man nicht, warum Andres L. eine Sondererlaubnis zum Fliegen bekommen hat.

Die Fluggesellschaft geht davon aus, dass ihre Fliegerärzte im Auftrag des Bundesluftfahrtamtes gehandelt haben, da die Ausstellung der Tauglichkeitsbescheinigung eine hoheitliche Aufgabe ist.

Absturz des Germanwings-Flugs 9525 (am 24.3.2015)

WDR ZeitZeichen 24.03.2020 14:56 Min. Verfügbar bis 25.03.2090 WDR 5

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Beide Seiten erhalten jetzt noch einmal die Gelegenheit, zu den ausgetauschten Argumenten Stellung zu nehmen. Am 1. Juli wird mit einer Entscheidung des Gerichtes gerechnet.

Prozess mit Corona-Einschränkungen

Im Gerichtssaal: Rote Stühle für die Zuschauer stehen weit auseinander

Wegen Corona: Nur 18 Zuschauer

Auffällig bei einem Prozess dieser Größenordnung: Wegen der Corona-Gefahr waren nur 18 Zuschauer und elf Journalisten zugelassen. Zudem mussten Abstandsregeln und die Maskenpflicht eingehalten werden.

Fünf Jahre nach dem Germanwings-Absturz: Unser Leben ohne Dich Menschen hautnah 19.03.2020 44:04 Min. UT Verfügbar bis 19.03.2021 WDR Von Justine Rosenkranz

Stand: 06.05.2020, 16:39