Gendern im Kreis Lippe bald verboten?

Symbolbild: Monitorbildschirmtext "Mitarbeiter*innen"

Gendern im Kreis Lippe bald verboten?

Von Kolja Selker

Drei Fraktionen des Lipper Kreistages wollen das Gendern in der Kreisverwaltung einschränken. Am Montag reichten sie einen entsprechenden Antrag ein. Das Thema polarisiert.

Die Fraktionen von FDP, CDU und Freie Wähler / Aufbruch C im Lipper Kreistag wollen das Gendern in Schrift und Sprache verbieten lassen. Damit wollen sie Schreibweisen wie Bürger*innen oder Politiker_innen zukünftig vermeiden.

Begründung: Gendern ist zu kompliziert

Andreas Epp, er ist für die Fraktion Freie Wähler / Aufbruch C.

Andreas Epp von den Freien Wählern/Aufbruch C.

Andreas Epp, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler / Aufbruch C im Kreistag sagt: "Wir haben mit diesem Antrag das Ziel, dass die Kreisverwaltung nicht mehr so wie bisher gendert. Die deutsche Sprache ist schon kompliziert genug. Mit großem I in Wort-Mitten, _i oder * verunsichern wir Leute nur unnötig."

Bisher keine einheitlichen Regeln

Drei Vertreter der Kreistagsfraktionen FDP, CDU und Freie Wähler stehen vor dem Kreishaus in Lippe.

Carsten Möller von der FDP (von links), Andrea Freitag, CDU, und Andreas Epp, Freie Wähler/Aufbruch C, reichten am Montag den Antrag ein.

Wenn es nach den drei Fraktionen geht, soll der Kreis Lippe zukünftig geschlechtsneutrale Begriffe nutzen oder alle Geschlechter einzeln nennen, also zum Beispiel in Schreiben an Lipperinnen und Lipper von "Bürgerinnen und Bürgern" reden. Bisher gendern die Mitarbeiter der Kreisverwaltung mehr oder weniger individuell – also uneinheitlich. Laut Kreisverwaltung arbeite man aber an einer einheitlichen Regelung für alle.

Kritik: "Ich dachte, wir wären schon weiter"

Unverständnis kommt aus der SPD. Kreistagsmitglied Ilka Kottmann dachte, als sie zuerst von dem Antrag rund ums Gendern hörte: "Das klingt schwer nach Mittelalter. Ich dachte, wir wären da schon um einiges weiter. Regen wir uns jetzt hier wirklich wegen eines Gender-Sternchens auf?“

Gendern gegen männliche Übermacht

Auch Inga Kretzschmar von Bündnis 90/Die Grünen hält Gendern in Schrift und Sprache zwar für irritierend – will das aber bewusst einsetzen: "Wir leben in einer sehr männlichen Welt, mit einer Übermacht an Männern in der Politik. Und da ist es auf jeden Fall richtig, darauf hinzuweisen, dass Frauen und diverse Geschlechter auch zur Gesellschaft gehören."

Entscheidung frühestens in ein paar Monaten

Der Lipper Kreisausschuss wird sich wohl frühestens vor den Sommerferien mit dem Streit rund ums Gendern auseinandersetzen.

Gender – Weg vom Schwarz-Weiß-Denken Planet Wissen 15.04.2021 58:23 Min. UT Verfügbar bis 15.04.2026 ARD-alpha

Stand: 10.05.2021, 17:22