Schuldbekenntnis des Bischofs in Wadersloh

Kirchenkrise: Bischof stellt sich den Fragen Lokalzeit Münsterland 04.12.2019 02:18 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 WDR Von Heike Zafar

Schuldbekenntnis des Bischofs in Wadersloh

Von Heike Zafar

  • Öffentlicher Auftritt nach Missbrauchsskandal
  • "Großes Versagen" eingestanden
  • Priester soll umziehen

Nach dem Missbrauchsskandal um einen ehemaligen Priester hat der Münsteraner Bischof Felix Genn am Dienstagabend (03.12.2019) erstmals öffentlich mit den Mitgliedern der Kirchengemeinde in Wadersloh gesprochen. Den Besuch des Bischofs hatten viele Gemeindemitglieder eingefordert.

Missbrauchsfall lange unbekannt

In der fast vollbesetzten Kirche St. Margareta bat Bischof Genn um Entschuldigung für eigene Fehler und "das große Versagen" der Kirche. Das Bistum hatte vor neun Jahren erfahren, dass der Priester in den 80er Jahren in Kevelaer ein Mädchen mehrfach bei der Beichte missbraucht haben soll.

Daraufhin wurde er zwar in den Ruhestand versetzt, hatte in der Kirchengemeinde Wadersloh aber weiter Gottesdienste gefeiert. Neun Jahre lang hatte vor Ort niemand von den Vorwürfen gegen den Priester gewusst.

Unverständnis über Bistumsverhalten

Vollbesetzte Kirche in Wadersloh

Die Wadersloher Kirche war voll besetzt

Entsprechend groß waren die Enttäuschung und das Unverständnis, das dem Bischof entgegenschlug: "Warum wurden unsere Kinder nicht vor ihm geschützt? Und warum haben Sie niemanden über den Fall informiert?", so einige der Fragen.

Gottesdienstverbot ignoriert

Bischof Genn bemühte sich um Erklärungen: Er habe den Fall nach Rom gemeldet und nach Anweisung von dort ein Dekret erteilt, dass der Priester nicht mehr öffentliche Gottesdienste zelebrieren darf. Dass er das nicht kontrolliert habe, tue ihm leid. Er habe dem Beschuldigten "zu blauäugig" vertraut.

Bischof Felix Genn zur Zukunft des Priesters

WDR Studios NRW 04.12.2019 00:46 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 WDR Online

Der Priester habe ihm gegenüber damals die Taten gestanden, heute verleugne er seine Schuld. Am Dienstag habe er ihm neue Auflagen gemacht: Unter anderem darf er niemals mehr in der Öffentlichkeit als Priester auftreten und er soll seinen Wohnort, das zur Kirchengemeinde gehörenden Bad Waldliesborn, so schnell wie möglich verlassen.

Gemischte Reaktionen

Nachaufnahme Bischof Genn

Bischof Genn bekannte "Versagen"

Die Reaktionen der Gemeindemitglieder waren gemischt: Einige waren dankbar, dass der Bischof endlich gekommen war. Andere reagierten mit Unverständnis. Das Bistum habe einen Straftäter gedeckt und damit die Kinder aus Wadersloh und Bad Waldliesborn in Gefahr gebracht.

Für die Reaktionen der Gemeindemitglieder zeigte Genn Verständnis: "Es kann ja gar nicht anders sein, als dass das Verhalten des Bistums in dieser Situation und damit auch des Bischofs kritisch beurteilt wird." Die Gemeinde sei "verwundet" und "erschüttert".

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Stand: 04.12.2019, 20:00