Olpe: Gedenkstein für ermordeten Zwangsarbeiter

Mehrere Männer vor dem Gedenkstein

Olpe: Gedenkstein für ermordeten Zwangsarbeiter

  • Gedenkstein erinnert an dunkles Kapitel.
  • Erhängt wegen verbotener Liebesbeziehung.
  • Hinrichtung ohne Gerichtsverfahren.
  • Verantwortliche nie zur Rechenschaft gezogen.

Auf den Tag genau vor 75 Jahren, am 20.10.1942, wurde der polnische Zwangsarbeiter Stanislaus Komakowski in Olpe-Rhonard von den Nationalsozialisten hingerichtet. Gestapobeamte erhängten Komakowski. Der Grund: Er hatte eine Liebesbeziehung zu einer Deutschen.

Geburtstag ist zugleich Todestag

Der Heimatverein für Olpe und Umgebung e.V. und mehrere Bürger der Stadt haben sich für die Erinnerung an das Schicksal des Mannes und die Errichtung eines Gedenksteines eingesetzt. Am Freitag (20.10.2017), der zugleich Komakowskis 75. Todestag ist und sein 102. Geburtstag gewesen wäre, wurde der Gedenkstein enthüllt und eingeweiht.

Die Inschrift der Gedenktafel für Stanislaus Komakowski

Die Tafel mit Inschrift auf dem Gedenkstein, der an Stanislaus Komakowski erinnert

"Es geht auch darum, diese dunkelsten Kapitel, die hier vor Ort geschehen sind, der Öffentlichkeit nahezubringen. Wir haben diese Pflicht, diese Geschichte aufzuschreiben, niederzuschreiben, und für unsere Nachkommen festzuhalten", betonte Axel Stracke vom Heimatverein Olpe.

Mädchen wurde schwanger

Stanislaus Komakowski war beim Polenfeldzug 1939 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Er landete als Zwangsarbeiter bei einem Bauern in dem Ort Rhonard bei Olpe im Sauerland. Hans-Bodo Thieme vom Heimatverein Olpe hat sich intensiv mit dem Schicksal Komakowskis beschäftigt. Demnach wurde der Zwangsarbeiter bei dem Bauern gut versorgt, wurde menschlich behandelt und hatte Familienanschluss.

Zum Verhängnis sei ihm geworden, dass er und die Tochter des Bauern sich ineinander verliebten. Das Mädchen wurde schwanger. Als ihr Vater das erfuhr, zeigte er Stanislaus Komakowski an und verlangte, dass er vom Hof entfernt werde, "ohne sich allerdings die Folgen seines Verhaltens vorstellen zu können", so der Heimatverein.

Komakowski wurde verhaftet, misshandelt und ins Dortmunder Gefängnis Steinwache gebracht. Denn es gab den Befehl, Vorkommnisse wie Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Menschen, die die Nationalsozialisten als "rassisch minderwertig" einstuften, der Gestapo-Dienststelle in Dortmund zu melden.

Galgen in Rhonard aufgestellt

Das Reichssicherheitshauptamt in Berlin verfügte eine "Sonderbehandlung" des Polen: dessen Hinrichtung ohne ordentliches Gerichtsverfahren. Und zwar dort, wo die Liebesbeziehung begonnen hatte.

Der Gedenkstein mit einer Tafel mit Inschrift

Auf der Tafel des Gedenksteins wird an Stanislaus Komakowski erinnert

Laut Heimatverein fuhren ein Pkw und ein Lkw in Olpe-Rhonard vor, besetzt mit Gestapobeamten in SS-Uniform. Sie führten den gefesselten Stanislaus Komakowski mit sich. Der auf dem Lkw mitgeführte Galgen wurde aufgerichtet und Komakowski gegen 15 Uhr erhängt.

Anschließend wurde allen aus der Gegend zusammengerufenen polnischen Zwangsarbeitern mitgeteilt, dass sie das Gleiche erwarte, wenn sie sich mit einem deutschen Mädchen einließen.

Tochter starb im Waisenhaus

Elf Tage nach der Ermordnung Komakowskis starb die knapp sieben Monate alte Tochter aus der verbotenen Beziehung. Das Kind war unmittelbar nach seiner Geburt ins Waisenhaus der Olper Franziskanerinnen gebracht worden, teilt der Heimatverein mit. Die Mutter des Kindes starb im Jahr 2015.

Anonyme Anzeige 1960

Über den Fall wurde jahrzehntelang geschwiegen. Nach einer anonymen Anzeige im Jahr 1960 begannen laut Heimatverein umfangreiche Ermittlungen einer Sonderkommission der Kriminalpolizei.

Der Heimatverein berichtet, dass sowohl der damalige Reviervorsteher der Olper Polizeiwache, der Komakowski misshandelt hatte, als auch die Gestapobeamten, die Komakowski erhängt haben, nie zur Rechenschaft gezogen wurden: "Nach vorübergehender Entfernung aus dem Dienst im Jahre 1945 konnten sie bis zu ihrer Pensionierung wieder als Polizeibeamte tätig sein; der letzte von ihnen verstarb, wohlversorgt mit seinem Ruhegehalt, erst 1998 im Alter von 93 Jahren."

Stand: 20.10.2017, 14:22