Interview: Erfolgsgeschichte einer Rumänin

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Interview: Erfolgsgeschichte einer Rumänin

Rebecca Pascu ist gebürtige Rumänin. Die heute 23-Jährige lebt in Bilstein im Sauerland. Immer war sie die einzige Rumänin – in der Grundschule, im Gymnasium. Immer musste sie gegen Vorurteile ankämpfen.

Sie nimmt teil am Projekt „Erzähle deine Geschichte“ und spricht im WDR-Interview über ihre Erlebnisse.

WDR:  "Was ist Ihnen von Ihrem Start in Deutschland in Erinnerung geblieben?"

Rebecca Pascu: "Ich war acht Jahre alt als ich nach Deutschland kam. Nach Deutschland zu kommen bedeutete, man schaut nur auf den Boden. Mit acht Jahren konnte ich schon etwas. Aber hier musste ich wieder von vorne anfangen."

WDR: "Wie haben Sie in Rumänien gelebt?"

Pascu: "Ich bin bei meiner Tante aufgewachsen – auf dem Land. Da gab es nur Sandstraßen, Pferdefuhrwerke und die Milch kam frisch von der Kuh, die meine Oma gemolken hat. Deutschland war ein Kulturschock."

WDR: "Wie ging es dann weiter?"

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Pascu: "Ich bin in eine Klasse nur mit Kindern mit Migrationshintergrund gekommen. In der dritten Klasse kam ich dann in eine normale Klasse, weil ich so schnell Deutsch gelernt hatte. In der vierten Klasse gehörte ich dann zu den Klassenbesten und bekam die Empfehlung für das Gymnasium."

WDR: "Wie nahmen Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler und Lehrerinnen und Lehrer sie wahr?"

Pascu: "Die Türken hatten sich, die Italiener ebenfalls. Ich war immer die einzige Rumänin – auch später im Gymnasium. Deshalb musste ich schnell Deutsch lernen. Ich konnte nur auf Deutsch Kontakte knüpfen."

WDR: "Waren Sie eine Außenseiterin?"

Pascu: „Ich habe mich oft alleine gefühlt. Ich war die aus dem Osten.“

WDR: "Begegnete man Ihnen mit Vorurteilen?"

Pascu: "Manche Lehrer schon. Bei Rumänen heißt es immer, die aus dem Osten. Pass auf, die klauen, sind kriminell. Das sind Zigeuner. Das Wort fiel immer wieder – Zigeuner."

WDR: "Was macht das mit einem Kind oder einem Teenager?"

Pascu: "Ich bin sehr ehrgeizig. Ich möchte zeigen, dass die Vorurteile nicht stimmen, dass auch eine Rumänin etwas leisten kann. Das hat bestimmt mit meiner Geschichte zu tun."

Rebecca Pascu

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Rebecca Pascu kam als Achtjährige aus Rumänien nach Elspe. Sie war für die Deutschen immer nur "das Kind aus dem Osten". Heute ist sie 23 Jahre alt, hat ihr Abitur gemacht und eine Ausbildung in der Tourismusbranche. Da macht sie weltweit Karriere - berät im Bereich "nachhaltiger Tourismus".

WDR: "Was machen Sie heute?"

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Pascu: "Ich bin Unternehmensberaterin in der Touristikbranche. Wir beraten Klienten weltweit. Ich lebe aus dem Koffer, bin nur unterwegs."

WDR: "Sind Sie stolz auf sich?"

Pascu: "Natürlich bin ich stolz auf mich. Ich bin erst 23 Jahre alt und der lebende Beweis dafür, dass auch eine Rumänin etwas leisten kann."

WDR: "Wenn Sie nach Ihrer Nationalität gefragt werden, was sagen Sie?"

Pascu: "Ich bin gebürtige Rumänin aber ich bin Deutsche. Seit meinem 16. Geburtstag habe ich einen deutschen Pass. Ich wohne hier und habe mich gut integriert. Ich gehöre hierher und fühle mich als Deutsche."

WDR: "Wo ist ihr Zuhause?"

Frau im Flugzeug

Pascu: "Wenn Freunde mich danach fragen, sage ich immer, dass ich kein Gefühl für ein Zuhause habe. Ich habe in Rumänien gelebt. Dann kam ich nach Deutschland, bin da oft umgezogen. Zuhause fühle ich mich, wenn ich im Flieger sitze. Dann ist da so ein Gefühl von Zuhause."

Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 19.11.2021, 07:36